Acht Jahre Miete für ein Baugerüst
Mehr als 80.000 Euro Miete zahlte Augsburg seit 2018 für ein Baugerüst, das einer Schule als Fluchttreppe dient, statt fest zu bauen
Was ist passiert?
Gleich neben der Staats- und Stadtbibliothek liegt in Augsburg das Maria-Theresia-Gymnasium. Zur Schule gehört die benachbarte Dillmannvilla, deren obere Geschosse für den Unterricht gebraucht werden. Im Inneren hat die Villa allerdings nur ein einziges Treppenhaus. Für eine Schule reicht das nicht, sie braucht zwei voneinander unabhängige Fluchtwege.
Die Antwort der Stadt war 2018 schnell gefunden: eine Fluchttreppe aus Gerüstelementen, gemietet statt gebaut. Ihr Vorteil laut Verwaltung: Sie lasse sich problemlos wieder abbauen, sobald über eine Erweiterung des Gymnasiums entschieden sei. Abgebaut wurde sie nicht. Die Miete beläuft sich auf über 10.000 Euro im Jahr. Fiel sie seit 2018 in dieser Höhe an, sind bis zum Frühjahr 2026 rund acht Jahre mal 10.000 Euro, also mehr als 80.000 Euro, an den Gerüstvermieter geflossen.
Dass die Schule mehr Platz brauchen würde, war lange bekannt. Für den Anbau der Bibliothek wurde 2022 ein Gebäude abgerissen, in dem das Maria-Theresia- und das Peutinger-Gymnasium Ausweichräume hatten. Mehrere Studien suchten nach Ersatz. Als aussichtsreichste Variante galt ein Verbindungsbau zwischen Haupthaus und Villa mit Treppe und Aufzug, der den zweiten Fluchtweg gleich mitgeliefert hätte. Er scheiterte an fehlenden Abstandsflächen zu den Nachbarn im Westen.
Erst jetzt, heißt es in der Vorlage, könne man in die konkrete Planung eines festen Fluchtbauwerks einsteigen. Inzwischen drängt die Zeit, allerdings aus einem anderen Grund: Die Gerüsttreppe ragt in die Fläche, auf der künftig ein Fußweg und eine versetzte historische Mauer verlaufen sollen. Beides gehört zur Neuordnung der nördlichen Gutenbergstraße, wo Stellplätze für die Lehrkräfte entstehen sollen. Geld für diese Abschnitte steht bislang nicht zur Verfügung, die Gesamtkosten werden in der Vorlage als unbekannt angegeben.
Kritik
Ein gemietetes Gerüst ist eine Übergangslösung für Monate, nicht für ein Jahrzehnt. Wer seit 2018 jedes Jahr über 10.000 Euro Miete zahlt, hätte früh prüfen müssen, ob ein festes Fluchtbauwerk auf Dauer billiger ist. Stattdessen setzte die Stadt auf einen Verbindungsbau, dessen Abstandsflächen offenbar erst spät geprüft wurden, und ließ die Mietuhr weiterlaufen. Die Planung der festen Treppe gehört jetzt mit einem klaren Kostenvergleich gegenüber der Gerüstmiete an den Anfang, nicht ans Ende der Liste.
BSV/26/62143: Sanierung und Erweiterung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg: Umgestaltung der Gutenbergstraße und des Umfelds des Maria-Theresia-Gymnasiums, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 27. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.