Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Fehlplanung

Augsburg nimmt Geld vom Kirchendach für den Boden

Von 2,5 Millionen Euro fürs Dach der baufälligen Dominikanerkirche steckt Augsburg 676.438 Euro in einen rohen Fußboden

Was ist passiert?

Die Dominikanerkirche am Predigerberg ist ein Baudenkmal von nationalem Rang und beherbergte lange das Römische Museum. Sie gilt als baufällig, und seit die alte Bodenplatte entfernt wurde, ist sie für Besucher gesperrt. Als Museum taugt sie nach Einschätzung der Stadt ohnehin nicht mehr. Künftig soll sie als Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen dienen.

Im März 2025 legte die Verwaltung dem Stadtrat den nächsten Bauabschnitt vor, eine sogenannte „Bodenplatte light“. Gemeint ist ein 20 Zentimeter starker Rohfußboden ohne Belag, in dem Leerrohre für spätere Kabel liegen. Beheizt werden soll der Raum zunächst nur so weit, dass er bei etwa 6 Grad frostfrei bleibt. Zusammen mit einer Untersuchung der Dachstatik, der Sicherung der Apsiden und einer Fassade kommen 2.557.457 Euro zusammen. Rund 511.000 Euro davon sind reine Pauschalen für Nebenkosten, Risiken und Bauherrenkosten (218.530 + 217.987,50 + 74.490 Euro), also etwa jeder fünfte Euro. Gut 300.000 Euro waren bereits ausgegeben, bevor der Stadtrat überhaupt entscheiden sollte.

Weil gut eine Million Euro fehlte, soll ein Teil davon aus einem Topf kommen, der für etwas anderes gedacht war. Im Vorjahr hatte die Stadt 2,5 Mio. Euro für die Sanierung des Dachs zurückgelegt. Davon sollen nun 676.438 Euro in den Boden fließen. Für das Dach blieben rechnerisch noch 1.823.562 Euro. Was die Sanierung von Dach und Innenraum am Ende kostet, steht nirgends in der Vorlage. Die Lücke soll die Städtebauförderung schließen. Zugesagt ist sie nicht, es gibt lediglich „positive Signale“.

Die Verwaltung begründet die Umschichtung mit der Statik, denn erst nach der Platte könne das Dach saniert werden. Außerdem gibt es einen festen Termin. Vom 5. bis 7. Dezember 2025 soll die Kirche wiedereröffnet werden, auf rohem Boden und bei sechs Grad. Das Wochenende soll laut Vorlage auch das Bewusstsein für die weiteren Sanierungsschritte schärfen. Wegen der Dringlichkeit ging die Vorlage direkt in den Stadtrat.

Kritik

Wer Geld für das Dach zurücklegt und es dann in den Boden steckt, verschiebt die Finanzierungslücke nur ein Stockwerk nach oben. Vor dem nächsten Bauabschnitt hätte die Stadt eine Gesamtkostenschätzung einschließlich Dach vorlegen und die Förderung verbindlich klären müssen. Stattdessen wurde schon gebaut, bevor der Rat entschieden hatte, und ein Eröffnungswochenende gibt den Takt vor. Bei einem Denkmal, das erst mit einem dichten Dach gerettet ist, wird so mit ungewissem Ausgang auf Zeit gespielt.

BSV/25/12160: Dominikanerkirche Projektbeschluss und Zurverfügungstellung weiterer Mittel, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 6. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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