Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Fehlplanung

Augsburg plante Bahnhofsplätze für falsche Tramstrecke

Augsburg steckt 7,2 Mio. Euro für die Plätze am Hauptbahnhof in Straßenbau, der Westplatz bleibt ein Provisorium mit Fahrradständern

Was ist passiert?

Am Augsburger Hauptbahnhof entsteht seit Jahren eine sogenannte Mobilitätsdrehscheibe, samt Straßenbahnhaltestelle unter den Gleisen. Auf der Westseite soll die Straßenbahn künftig vom neuen Westportal bis zur Luitpoldbrücke fahren. Zwei Plätze davor sollten dabei ein neues Gesicht bekommen: der westliche Bahnhofsvorplatz und der Sebastian-Buchegger-Platz.

Genehmigt ist seit 2011 eine Trasse mit beiden Gleisen über die Rosenaustraße. Geplant hat die Stadt in den Folgejahren aber mit einer anderen Führung, der „geflügelten Variante“ der Linie 5. Auf dieser Grundlage ließ sie auch einen städtebaulichen Wettbewerb für beide Plätze durchführen. Im Juli 2024 beschloss der Stadtrat dann, doch die genehmigte Trasse zu bauen, weil ein neues Genehmigungsverfahren die Umsetzung deutlich verzögern würde. Seitdem passen die Wettbewerbsentwürfe nicht mehr. Die verkehrsfreie Platzfläche am Sebastian-Buchegger-Platz kann nicht entstehen, der Vorplatz West soll „vorerst im derzeitigen Zustand“ bleiben. Die wesentlichen Anforderungen seien mit den provisorischen Fahrradständern erfüllt, heißt es in der Vorlage. Ergänzend ließe sich über einen Kiosk oder eine Bäckereifiliale nachdenken.

Das Geld für die Plätze wird trotzdem ausgegeben, nur für etwas anderes. Für Fahrbahnsanierungen, Ampeln und Kreuzungsumbauten rund um den Lückenschluss veranschlagt die Stadt 9,2 Mio. Euro. Auf der zuständigen Haushaltsstelle liegen dafür nur rund 1,97 Mio. Euro bereit. Die übrigen rund 7,2 Mio. Euro (9,2 minus 1,97) sollen aus den Mitteln für die Vorplätze West und Ost kommen, also fast vier von fünf Euro. Den Vorplatz Ost nutzt die Deutsche Bahn ohnehin mindestens bis 2030 als Baustellenfläche. Ob das Geld für die Plätze danach wieder bereitsteht, bezweifelt die Verwaltung selbst: Das könne sich angesichts der Haushaltslage „schwierig gestalten“.

Und der bereits im Wettbewerb entworfene Sebastian-Buchegger-Platz? Für ihn sind nun rund 1,33 Mio. Euro für eine Aufwertung ohne verkehrsfreie Fläche eingeplant, davon rund 133.000 Euro allein für die Planung.

Kritik

Wer Plätze an einer Straßenbahnlinie gestalten lässt, sollte zuerst wissen, wo die Bahn fahren darf. Augsburg ließ einen Wettbewerb auf Grundlage einer Trasse durchführen, die vom genehmigten Plan abwich, und kehrte dann zur Planung von 2011 zurück. Übrig bleiben Entwürfe für die Schublade, ein Provisorium mit Fahrradständern und ein Platzbudget, das in den Straßenbau wandert und nach Einschätzung der Verwaltung womöglich nicht zurückkommt. Gestaltungswettbewerbe gehören an das Ende der Trassenentscheidung, nicht an ihren Anfang.

BSV/25/12054: Lückenschluss zwischen dem Westportal am Hauptbahnhof und der Luitpoldbrücke mit vorgezogenen Begleitmaßnahmen, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 26. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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