Bröckelnder Putz macht Schulsanierung teurer
Augsburg braucht für die Sanierung einer Grundschule 7,67 statt 6,4 Millionen Euro, weil die marode Fassade erst am Gerüst auffiel
Was ist passiert?
Augsburg (BY). Die St.-Anna-Grundschule gehört seit 2017 zum städtischen Schulsanierungsprogramm. 2022 beschloss der Stadtrat ihre Ertüchtigung, 2023 begannen die Bauarbeiten. Der erste Bauabschnitt ist seit September 2025 wieder in Betrieb, der zweite soll zum Schuljahr 2026 folgen. Bis hierhin klingt das nach einem Projekt im Plan.
Das Budget von 6,4 Mio. Euro reicht allerdings nicht. Laut einer Beschlussvorlage vom Mai 2026 braucht die Stadt weitere 1,27 Mio. Euro. Die Kostenberechnung von 2022 lag bei 5,53 Mio. Euro, dazu kam eine Reserve von rund 842.000 Euro. Gemessen an der Berechnung steigt der Preis damit um fast 39 Prozent (7,67 Mio. Euro geteilt durch 5,53 Mio. Euro).
Den größten Brocken liefert die Fassade. Nach Angaben der Verwaltung war sie jahrzehntelang nur notdürftig ausgebessert worden. Vor Baubeginn fuhr man sie mit einer Hebebühne ab und klopfte lose Stellen ab. Erst am Gerüst zeigte sich, dass der Unterputz vielerorts versandet ist. Allein dafür sind rund 750.000 Euro zusätzlich veranschlagt, weitere 100.000 Euro für das länger stehende Gerüst. Jeder zusätzliche Monat Gerüst kostet rund 3.500 Euro. Eine mögliche Neuausschreibung der Putzarbeiten nennt die Vorlage selbst ein erhebliches Kostenrisiko.
Bemerkenswert ist auch, was von Anfang an fehlte: Ausstattung und Teeküchen standen gar nicht im Budget. Dafür wurden bereits rund 45.000 Euro gesondert freigegeben, nun kommen 162.000 Euro hinzu. Zusammen sind das rund 207.000 Euro für Posten, die bei einer Schulsanierung kaum überraschen dürften.
Bezahlt werden soll das zunächst aus einer Rücklage, die für flexible Container-Schulen gedacht war. Weil es dafür noch keine Planung gebe, sei der Griff in diese Kasse vertretbar, heißt es. Etwa 630.000 Euro sollen später aus dem Mehrgenerationenpark Lechhausen kommen, dessen dritter Bauabschnitt dafür kleiner ausfallen soll. Der Stadtrat soll direkt entscheiden, weil der zuständige Finanzausschuss keine zeitnahe Sitzung angesetzt hatte.
Kritik
Wer ein Gebäude saniert, dessen Fassade seit Jahrzehnten nur geflickt wurde, muss mit Überraschungen rechnen und sollte die Substanz vor dem Kostenbeschluss gründlich untersuchen, nicht erst vom Gerüst aus. Dass Möbel und Teeküchen in einer Schulsanierung schlicht nicht eingeplant waren, ist kein Pech, sondern ein Planungsfehler. Ein Budget, das solche Posten auslässt, lässt das Projekt billiger aussehen, als es ist. Und wer die Lücke mit Geld für Container-Schulen und einem abgespeckten Park stopft, verschiebt das Problem nur auf andere Vorhaben.
BSV/26/00089: Ertüchtigung der St.-Anna-Grundschule: hier: Mehrkosten, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 27. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.