Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Fehlplanung

Augsburgs Bootsverleih wartet drei Jahre auf Neubau

Augsburg riss die Gaststätte am Bootsverleih ab, bevor der Neubau geplant war, und zahlt für die Verzögerung rund 272.000 Euro extra

Was ist passiert?

Augsburg (BY). Am äußeren Stadtgraben, direkt unter der historischen Stadtmauer, liegt die Augsburger Kahnfahrt: ein Bootsverleih mit Biergarten und Blick auf Bastion und Wasser. Die Stadt lässt den Ort über ihre Tourismusgesellschaft Regio Augsburg Tourismus GmbH (RAT) neu gestalten. Im Frühjahr 2024 wurde dafür das alte Gastrogebäude samt Sonnenterrasse abgerissen. Damit Bootsverleih und Festspiele weiterlaufen konnten, entstand in kürzester Zeit eine Tribüne mit Kiosk für höchstens 60 Gäste. Sie sollte genau eine Saison stehen.

Daraus werden nun drei. Für 2025 wurde das Provisorium verlängert, „parallel zu Planung und Abstimmung“ der endgültigen Lösung, wie es in der Vorlage heißt. Laut Beschlussvorlage vom November 2025 soll es auch 2026 in Betrieb gehen, sogar erweitert um zusätzliche Podestflächen. Die Verlängerung kostet 67.857,56 Euro. Damit künftig 160 statt 60 Gäste Platz finden, ist außerdem ein zweiter Rettungsweg geplant: ein Durchbruch durch die Stadtmauer und ein Weg über das Nachbargrundstück. Auch dieser Weg gilt ausdrücklich nur als Übergang. Die eigentlich gewünschte Lösung Richtung Franziskanerbrücke ist erst nach einer Sanierung der Mauer möglich.

Der Neubau selbst soll im Herbst 2026 beginnen, eröffnet werden soll im Juni oder Juli 2027, also mit einer verkürzten ersten Saison. Das verlorene Jahr steht bereits in der Kostenaufstellung: Auf alle drei Bauabschnitte kommen je 5 Prozent „Kostensteigerung für Verschiebung der Baumaßnahme um 1 Jahr“, zusammen 204.346,39 Euro. Mit dem Interim 2026 sind das rund 272.000 Euro, die ohne Verzögerung nicht angefallen wären.

Insgesamt soll die neue Kahnfahrt rund 4,5 Mio. Euro kosten. Allein der erste Bauabschnitt schlägt mit 3,28 Mio. Euro zu Buche. Bei 160 Plätzen sind das gut 20.500 Euro je Sitzplatz (3.284.328 Euro geteilt durch 160). Im dritten Abschnitt ist zudem ein fest verankertes Schiff für 446.447,55 Euro vorgesehen. Zusätzliche Plätze soll es nicht bringen. Es ist lediglich als Ausweichquartier bei schlechtem Wetter gedacht.

Kritik

Wer eine Gaststätte abreißt, bevor der Ersatz fertig geplant ist, zahlt am Ende doppelt. Aus einer Saison Provisorium sind drei geworden, und das Provisorium wird jetzt noch einmal aufgerüstet, samt einem befristeten Loch in der Stadtmauer. Ärgerlich ist auch, dass die Verzögerung als pauschaler Aufschlag von über 200.000 Euro in der Kostenaufstellung landet, als wäre sie unvermeidlich. Die Stadt muss den Zeitplan jetzt verbindlich einhalten und vor dem dritten Bauabschnitt prüfen, ob knapp 450.000 Euro für ein Schiff ohne einen einzigen zusätzlichen Platz zu rechtfertigen sind.

BSV/25/61784: Entwicklung „Neue Kahnfahrt Augsburg“, insbesondere Bauabschnitt 1 -Projektbeschluss-, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 26. November 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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