Ein Geschenk mit Dauerauftrag
Für eine Spende von 1,0 Mio. Euro soll Augsburg ab dem sechsten Jahr 240.000 Euro Betriebskosten im Jahr allein tragen.
Was ist passiert?
Oberhausen ist ein Stadtteil mit großen Aufgaben. Die Stadtverwaltung beschreibt ihn mit vielen Jugendlichen ohne Schulabschluss, hoher Arbeitslosigkeit und einem hohen Bildungsbedarfsindex. Auf dem Gelände der Kapellen-Mittelschule soll deshalb ein zweigeschossiger Bildungsmittelpunkt mit rund 180 Quadratmetern entstehen. Er soll ein Treffpunkt für Elternberatung, digitale Bildung und den Übergang von der Schule in den Beruf werden.
Möglich machen soll das eine Münchner Stiftung. Sie sagt bis zu 1,0 Mio. Euro für den Bau zu. Außerdem will sie fünf Jahre lang 180.000 Euro der jährlich kalkulierten 240.000 Euro Betriebs- und Personalkosten übernehmen. Ursprünglich wollte die Stiftung selbst bauen und mit der Stadt eine gemeinsame Betreibergesellschaft gründen. Davon ist nichts geblieben. Laut Beschlussvorlage vom Januar 2026 soll die Stadt nun Bauherrin und dauerhafte Betreiberin sein, weil das „klarer und unkomplizierter“ sei. Für die Verwaltung mag das zutreffen, für den Stadthaushalt eher nicht.
Was die Spende nicht abdeckt, landet nämlich bei der Stadt. Dazu gehören mindestens 60.000 Euro Eigenanteil pro Jahr in den ersten fünf Jahren, jede Baukostensteigerung über die Million hinaus und ab dem sechsten Jahr der gesamte Betrieb. Eine belastbare Kostenberechnung für den Bau gibt es nicht, nur unverbindliche Gespräche mit Baufirmen. Die Mittel für den städtischen Anteil stehen laut Vorlage nicht zur Verfügung. Eine Anschlussförderung will die Stiftung lediglich prüfen.
Die Rechnung ist schnell gemacht. Die Stiftung gibt höchstens 1,9 Mio. Euro (1,0 Mio. Euro für den Bau plus 5 mal 180.000 Euro). Die Stadt zahlt zunächst 300.000 Euro (5 mal 60.000 Euro) und danach 240.000 Euro im Jahr. Nach dem zwölften Betriebsjahr hat sie damit rund 1,98 Mio. Euro getragen und die Stifterin überholt. Das Haus soll trotzdem „von Tessin-Bildungsmittelpunkt“ heißen. In der Steuerungsgruppe, die die inhaltlichen Leitlinien festlegt, hält die Stiftung während der Förderung vier von sieben Stimmen.
Kritik
Eine Spende ist kein Geschenk, wenn die Stadt dafür eine unbefristete Daueraufgabe übernimmt, deren Finanzierung sie selbst als nicht gesichert ausweist. Wer jährliche Folgekosten von 240.000 Euro eingeht, muss vor dem Spatenstich wissen, woher das Geld ab dem sechsten Jahr kommt. Das Risiko steigender Baukosten darf nicht allein bei der Stadt liegen. Augsburg hätte die Annahme an eine verbindliche Anschlussfinanzierung knüpfen und Mitsprache sowie Namensrecht am tatsächlichen Kostenanteil ausrichten müssen.
BSV/26/61933: Abschluss einer Vereinbarung mit der Dr. Ingeborg von Tessin und Marion von Tessin-Stiftung über die finanzielle Zuwendung zur Einrichtung und den Betrieb des Tessin-Bildungsmittelpunkts Oberhausen, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 22. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.