Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Fehlplanung

Millionen für Schulcontainer auf vier Jahre

Augsburg will 2,28 Mio. Euro für Container mit vier Klassenzimmern an einer Mittelschule ausgeben, die nur rund vier Jahre genutzt werden

Was ist passiert?

An der Albert-Einstein-Mittelschule fehlt Platz, und das nicht aus eigenem Verschulden. Gebäudeteil F ist wegen seines baulichen Zustands gesperrt, damit fallen vier Klassenräume weg. Ersatz soll eine zweigeschossige Containeranlage auf dem Schulgelände schaffen. Als Vorbild dient die Anlage des Rudolf-Diesel-Gymnasiums aus dem Jahr 2007. Die hat allerdings fünf Klassenräume, und mit ihrer Größe von rund 510 Quadratmetern hat das Hochbauamt gerechnet.

Empfohlen wird der Standort des leerstehenden ehemaligen Hausmeisterhauses. Es muss vorher abgerissen und von Schadstoffen befreit werden, dafür bleiben Pausenhof und Beachvolleyballplatz erhalten. Samt eigenen WCs und 80.000 Euro für Mobiliar und digitale Tafeln stehen 2,28 Mio. Euro im Beschlussvorschlag, entnommen aus einer Rücklage mit dem Namen „Flexible Container-Schulen“. Entscheiden sollte der Ferienausschuss am 27.08.2026.

Die eigentliche Pointe steckt in der Machbarkeitsstudie. Wegen erheblicher Feuchteschäden im Keller wurde die Betriebsdauer der gesamten Schule schon 2022 auf zehn Jahre begrenzt. Länger als das Hauptgebäude soll auch der Container nicht stehen. Bei einer Inbetriebnahme 2028 bleiben also rund vier Jahre Nutzung. Im Beschlusstext ist trotzdem von der „dauerhaften Sicherstellung des Schulbetriebs“ die Rede.

Auf Zuschüsse muss die Stadt verzichten. Die Regierung von Schwaben fördert Containerbauten nur, wenn sie dauerhaft schulisch genutzt werden. Die Studie vermerkt knapp, die Förderung sei „im Weiteren nicht berücksichtigt“ worden.

Wer nachrechnet, kommt auf einen stolzen Preis. 2,28 Mio. Euro geteilt durch vier Klassenräume ergeben 570.000 Euro je Raum. Auf vier Nutzungsjahre verteilt kostet jeder dieser Räume rund 142.500 Euro im Jahr, die Anlage insgesamt 570.000 Euro jährlich.

Kritik

570.000 Euro für ein Klassenzimmer, das nach rund vier Jahren zusammen mit der ganzen Schule ausgedient hat, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Wer nur eine Übergangslösung braucht, sollte auch nur für den Übergang bezahlen, etwa mit einer gemieteten Anlage oder mit Containern, die danach an einer anderen Schule weiterverwendet werden. Eigene Toiletten für ein Provisorium, das direkt an das Hauptgebäude angebunden werden kann, sind verzichtbar. Vor allem muss die Stadt klären, wie es mit der Schule nach 2032 weitergeht, statt Millionen in Zwischenlösungen zu stecken.

BSV/26/00377: Albert-Einstein-Mittelschule: Neubau eines Erweiterungsbaus in Modulbauweise (Containeranlage) zur Schaffung von Ersatzräumen für den gesperrten Gebäudeteil F, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 24. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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