Erst ausgeschrieben, dann nachgedacht
Augsburg sichtete 53 Bewerbungen und führte 13 Vorstellungsgespräche für eine Leitungsstelle, deren Profil noch gar nicht feststand.
Was ist passiert?
In Augsburg ist der 8. August ein Feiertag. Rund um dieses Datum richtet das städtische Friedensbüro ein Friedensfest mit kulturellem Rahmenprogramm aus. Ende November 2024 gab der Kulturausschuss die Richtung vor: Die Leitung des Büros sollte zeitnah wiederbesetzt werden. Parallel sollten Netzwerkpartner und Stadtgesellschaft in einem Beteiligungsprozess über die Zukunft von Büro und Fest beraten.
Die Verwaltung erledigte beide Aufträge gewissenhaft, allerdings gleichzeitig. Vom 1. bis 22. März 2025 lief die Ausschreibung, intern, extern und auf Fachportalen. 53 Bewerbungen gingen ein. Das Personalamt sortierte sie in A-, B- und C-Kandidaten, gesichtet wurden alle. Neun Personen wurden eingeladen, acht kamen. Fünf erreichten Anfang Mai eine zweite Runde, für die sie vorab eine Aufgabe ausarbeiten und präsentieren mussten. Zusammen waren das 8 plus 5, also 13 Vorstellungsgespräche, jedes nach einheitlichem Fragebogen.
Am 5. Juni 2025 brach die Stadt das Verfahren ab. Laut Vorlage wurde erst im Laufe der Auswahl erkennbar, dass Tätigkeitsprofil, Teamstruktur und Einbindung der Stelle noch zu unklar seien. Zuerst müsse der Beteiligungsprozess abgeschlossen werden. Neu war diese Lage freilich nicht. Das erste Treffen mit den Akteuren hatte schon am 9. Dezember 2024 stattgefunden, fast drei Monate vor der Ausschreibung. Den zweiten Workshop, geleitet von einem eigens beauftragten Moderatorinnenduo aus München und Berlin, gab es am 3. Juni. Zwei Tage später war die Personalsuche beendet.
Bis auf Weiteres führt der Leiter der Stabsstelle Kultur das Büro kommissarisch. Ihn unterstützen die Projektkoordinatorin und eine auf ein Jahr befristete Projektassistenz. Die Ergebnisse der Workshops sollen im Herbst 2025 präsentiert werden. Das neue Festkonzept ist erstmals für 2027 angedacht. Erst nach Auswertung des Prozesses soll die Leitungsstelle erneut ausgeschrieben werden, und die Suche beginnt dann von vorn.
Kritik
Wer eine Leitungsstelle ausschreibt, muss vorher wissen, welche Aufgaben die künftige Leitung haben soll. Dass der Beteiligungsprozess Profil und Struktur des Friedensbüros verändern würde, war absehbar, denn er lief bereits, als die Anzeige erschien. Die Stadt hätte die Workshops abwarten und die Stelle danach ein einziges Mal mit klarem Profil ausschreiben sollen. Stattdessen beschäftigte sie Personalamt, Auswahlgremium und 53 Bewerber mit einem Verfahren, das von Anfang an keine Grundlage hatte.
INF/25/61236: Weiterentwicklung Friedensbüro: Zwischenbericht, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 9. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.