Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Folgekosten

Fensterputz aus dem Geld für Schulbauten

Augsburg ließ Schulfenster fünf Jahre ungeputzt und zahlt die Reinigung nun zu 1,35 von 1,7 Mio. Euro aus Rücklagen für Schulbauten

Was ist passiert?

Neben der täglichen Unterhaltsreinigung gibt es an Schulen zwei Arbeiten, die meist in der unterrichtsfreien Zeit erledigt werden: die Grundreinigung, die tief sitzenden Schmutz aus Böden und Oberflächen holt, und das Putzen der Fenster. Die Stadt Augsburg ist für die Gebäude zahlreicher öffentlicher Schulen zuständig, von Grundschulen über Gymnasien bis zu den Berufsschulen. Für deren Reinigung standen 2025 rund 5,3 Mio. Euro im Haushalt.

Gereicht hat das schon länger nicht. Wegen der angespannten Haushaltslage und gestiegener Preise für Gebäudereinigung wurden die Fenster fünf Jahre lang nicht geputzt, die letzte Grundreinigung fand Ende 2023 statt. Versuche der Schulverwaltung, das Geld regulär im Haushalt unterzubringen, blieben erfolglos. Dabei beschreibt die Verwaltung selbst, was ausbleibende Pflege anrichtet: Sand wirke auf Böden wie Schmirgelpapier, Kalk hinterlasse Ätzspuren auf dem Glas, Moos und Algen sprengten die Fugendichtungen. Am Ende drohten teure Sanierungen. Den Bedarf nennt die Vorlage „unbestritten“.

Im Mai 2025 legte das Bildungsreferat dem Stadtrat eine Lösung vor. 1,7 Mio. Euro sollen überplanmäßig bewilligt werden, damit 2025 wieder geputzt wird. Rund 354.000 Euro sollen aus einer Sonderrücklage für Zusatzbedarfe der Schulen kommen, gut 1,35 Mio. Euro aus der allgemeinen Rücklage mit der Zweckbindung Schulinvestitionen und Tilgungsvorsorge. Damit stammen rund vier von fünf Euro für den Putzeinsatz aus Geld, das für Investitionen in Schulen zurückgelegt war (1,35 von 1,70 Mio. Euro). Die hauseigene Nachhaltigkeitsbewertung vermerkt nüchtern, dass so der Spielraum für andere dringliche Bedarfe im Schulbereich schrumpft.

Gelöst ist das Problem damit nicht. Für 2026 rechnet die Stadt mit rund 2,1 Mio. Euro, knapp ein Viertel mehr als 2025 (2,1 gegenüber 1,7 Mio. Euro). Diese Summe soll lediglich „im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten“ angemeldet werden. Auf genau diesem Weg war in den vergangenen Jahren kein Geld zusammengekommen.

Kritik

Wer die Fenster seiner Schulen fünf Jahre lang nicht putzen lässt, spart nicht, sondern verschiebt die Rechnung auf spätere Sanierungen, wie die Verwaltung selbst darlegt. Die Grund- und Glasreinigung ist eine wiederkehrende Aufgabe und gehört regulär in den Haushalt statt in einen Nachschlag aus der Rücklage für Schulinvestitionen. Laufende Kosten mit Investitionsgeld zu bezahlen, schmälert ausgerechnet die Mittel, mit denen Schäden an den Schulgebäuden später behoben werden müssten. Die Stadt hätte die Reinigung dauerhaft einplanen und dafür an anderer Stelle Prioritäten setzen müssen.

BSV/25/12333: Durchführung der Grund- und Glasreinigung an den zu betreuenden Schulen im Kalenderjahr 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 5. Mai 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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