Halbes Solardach für 1,28 Millionen Euro
Augsburg will 1,28 Mio. Euro für ein Solardach am Freibad ausgeben, das nur halb so viel Strom liefert wie geplant und nicht durchgerechnet ist
Was ist passiert?
Das Bärenkellerbad in Augsburg wird noch immer mit Gas geheizt. Der große Kessel stammt aus dem Jahr 1974, zwei kleinere aus dem Jahr 1985. Mit Ausfällen sei jederzeit zu rechnen, schreibt die Verwaltung. Künftig sollen Wärmepumpen das Freibad beheizen. Den Strom dafür soll eine Photovoltaikanlage liefern, die als Carport über den Parkplatz des Bades gebaut wird. Die Stadtwerke planen dort zusätzlich 16 Ladepunkte für Elektroautos.
Im Grundsatzbeschluss war noch von rund 600 kWp Leistung die Rede. Alle drei innenliegenden Fahrspuren sollten überdacht werden. Dann wurde genauer hingesehen. Die mittlere Fahrspur muss als Rettungsweg frei bleiben. Die Linden zwischen den Fahrspuren sind schon 6 Meter hoch und werfen Schatten. Eine weitere Fläche liegt fast den ganzen Tag im Schatten einer 9 Meter hohen Eiche. Übrig bleibt ein L-förmiges Dach über den nördlichen Parkreihen mit rund 300 kWp, also genau die Hälfte. Die Verwaltung nennt diese Form eine „perfekte Lösung“ und hebt hervor, dass kein einziger Parkplatz wegfällt.
Der Preis dafür liegt bei 1.275.640 Euro brutto. Davon entfallen 1.122.170 Euro auf den Bau und 153.470 Euro auf die Planung, obwohl die Ingenieurleistungen nach HOAI die Stadtwerke übernehmen sollen. Je Kilowatt Spitzenleistung sind das rund 4.250 Euro (1.275.640 Euro geteilt durch 300 kWp). Fast die gesamte Summe, nämlich 1.256.584 Euro, soll aus der Rücklage für Klimaschutz kommen. Fördergeld ist eingeplant, seine Höhe kennt aber noch niemand. Ein Vorsteuerabzug könnte die Kosten später senken.
Ob sich die Anlage rechnet, ist offen. Das Hochbauamt habe die „grundsätzliche Wirtschaftlichkeit“ der Gesamtmaßnahme bestätigt. Präzise geprüft werden soll aber erst, wenn Angebote für die Solaranlage und die Wärmepumpe vorliegen. Den Kostenrahmen soll der Stadtrat schon vorher freigeben. Eine neue Rechnung für die halbierte Anlage enthält die Vorlage nicht.
Kritik
Dass ein Parkplatz einen Rettungsweg braucht und hohe Bäume Schatten werfen, hätte man vor dem Grundsatzbeschluss wissen können. Nach der Halbierung der Leistung hätte das Projekt neu auf den Prüfstand gehört. Stattdessen sollen 1,28 Mio. Euro freigegeben werden, bevor feststeht, ob sich die Anlage überhaupt rechnet. Auch eine eigens für den Klimaschutz angelegte Rücklage rechtfertigt es nicht, erst Geld zu bewilligen und danach die Wirtschaftlichkeit zu prüfen.
BSV/25/12167: Errichtung einer Carportanlage mit PV-Modulen auf dem Parkplatz des Bärenkellerbades - Projektbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 25. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.