Neue Wasserleitungen passen nicht zu alten Toiletten
Die Erhard-Wunderlich-Sporthalle darf ohne ihre stillgelegten Toiletten nur 1.286 statt 3.553 Zuschauer einlassen, Nachholen kostet 1,59 Mio. Euro
Was ist passiert?
An der Ulrich-Hofmaier-Straße steht die Erhard-Wunderlich-Sporthalle, ein denkmalgeschützter Bau, den die Stadt selbst als Schmuckstück ihrer Sportlandschaft bezeichnet. Schulen und Vereine trainieren hier. Laut Brandschutzgutachten passen bis zu 3.553 Menschen hinein, wenn für Boxkämpfe auch das Spielfeld bestuhlt wird. Seit Jahren wird die Halle in Abschnitten saniert: erst der Brandschutz, dann Heizung und Lüftung. Die Sanitärräume sollten später folgen.
So weit der Plan. Bei den Arbeiten an der Lüftung zeigte sich, dass die Wasserleitungen der Toiletten genau zwischen Lüftungsrohren und Decke verlaufen. Also zog man die neuen Zuleitungen für die gesamte Halle vor. Dabei ging man davon aus, die alten Sanitärräume einfach weiter nutzen zu können. Erst in der weiteren Planung fiel auf, dass alte Toiletten und neue Leitungen nicht zusammenpassen. Die Sanitärbereiche auf der Ostseite wurden stillgelegt.
Die Folge steht nüchtern in der Vorlage vom Dezember 2025: Nach dem zweiten Bauabschnitt darf die Halle wieder öffnen, allerdings nur für 1.286 Zuschauer. Das ist gut ein Drittel der möglichen Plätze. Für die großen Sportereignisse, mit denen die Stadt die Sanierung begründet, reicht das nicht.
Nun soll ein dritter Bauabschnitt die Ostseite nachholen. Das Hochbauamt rechnet mit 1.590.022 Euro brutto. Rechnerisch sind das rund 700 Euro für jeden der 2.267 Plätze, die damit zurückgewonnen werden sollen (1.590.022 Euro geteilt durch 3.553 minus 1.286 Plätze). Das Hochbauamt verlangt obendrein eine Projektsicherheit von 20 Prozent, also rund 318.000 Euro. Das Sportreferat plant diesen Puffer schlicht nicht ein. Das Baureferat nahm das zur Kenntnis und verwies vorsorglich auf Risiken für den Bauablauf und eine mögliche Nachfinanzierung. Reicht das Geld nicht, soll der Sportetat einspringen. Die Gesamtsanierung werde, so heißt es, wegen Preissteigerungen und zusätzlicher Leistungen „etwas kostenintensiver“ als zunächst geschätzt.
Kritik
Wer die Leitungen einer ganzen Halle vorzieht, muss vorher prüfen, ob die angeschlossenen Räume damit noch funktionieren. Diese Prüfung kam zu spät, und nun steht ein Baudenkmal für Großveranstaltungen nur zu gut einem Drittel zur Verfügung. Die Ostseite hätte zusammen mit den neuen Leitungen geplant werden müssen, statt sie stillzulegen und für 1,59 Mio. Euro nachzuholen. Dass die Stadt bei einem Projekt mit dieser Vorgeschichte auch noch auf den vom eigenen Baureferat geforderten Risikopuffer verzichtet, lädt die nächste Nachfinanzierung geradezu ein.
BSV/25/61841: Sanierung der Erhard-Wunderlich-Sporthalle; hier Projektbeschluss zum 3. Bauabschnitt (Sanitär Bauabschnitte 2 und 3), Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 12. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.