Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Folgekosten

Römermuseum schrumpft, weil Zinsen vergessen wurden

Augsburg deckelt sein neues Römermuseum bei 60 Millionen Euro, vergaß aber die Kreditzinsen, nun muss der Bau kleiner werden

Was ist passiert?

Als Augusta Vindelicum war Augsburg 450 Jahre lang Mittelpunkt der römischen Provinz Raetien. Die Stadt besitzt den größten antiken Goldschatz und den größten antiken Silberschatz Bayerns. Ein neues Römisches Museum soll diese Funde zeigen, und zwar in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt an der Karmelitengasse. Der Zellentrakt aus den 1960er Jahren soll abgerissen und auf seiner alten Bodenplatte neu errichtet werden. Das inhaltliche Konzept hatte eine Expertengruppe bereits 2008/09 erarbeitet.

Stadt und Freistaat haben die Gesamtkosten bis zur geplanten Fertigstellung 2032 auf 60 Mio. Euro gedeckelt. Am 17.03.2026 stellte der Freistaat eine Förderung von 30 Mio. Euro in Aussicht, also die Hälfte. Bauen soll allerdings nicht die Stadt selbst, sondern ihre Tochter, die Wohnbaugruppe Augsburg. Sie finanziert das Gebäude über Eigenkapital und langfristige Bankdarlehen und bleibt rund 30 Jahre lang Eigentümerin. Danach erhält die Stadt eine Kaufoption. Laut Vorlage entlastet das den städtischen Investitionshaushalt. Bezahlt wird trotzdem, nur eben später und mit Zinsen.

Dann folgt der Haken: Die Machbarkeitsstudie, auf der die Planung beruht, enthielt keinerlei Finanzierungskosten. Außerdem rechnet die Wohnbaugruppe mit deutlich höheren Baunebenkosten als die Gutachter. Weil der Deckel bleibt, muss nun das Gebäude kleiner werden. Um wie viel, weiß noch niemand. Das hänge unter anderem von der künftigen Zinsentwicklung ab, schreibt die Verwaltung. Über die Größe der Ausstellungsräume entscheidet also der Kapitalmarkt mit.

Für Gutachten, statische Untersuchungen und die ersten beiden Planungsphasen soll eine Rücklage von 3 Mio. Euro bereitstehen. Das sind 5 Prozent des gesamten Deckels (3 von 60 Mio. Euro), bevor ein einziger Stein verbaut ist. Jeder Euro Zwischenfinanzierung bis 2032 zählt in die 60 Mio. Euro hinein und fehlt damit beim Bau. Zwischen Expertenkonzept und geplanter Eröffnung lägen am Ende 23 Jahre.

Kritik

Wer ein Museum für 60 Mio. Euro plant, muss die Kosten des Geldes von Anfang an kennen. Eine Machbarkeitsstudie ohne Finanzierungskosten ist keine tragfähige Entscheidungsgrundlage, und die Korrektur trifft nun das Gebäude selbst. Die Verlagerung in die städtische Wohnbaugruppe schafft keine Ersparnis, sondern verteilt die Last über rund 30 Jahre auf künftige Haushalte. Die Stadt hätte zuerst vollständig rechnen und erst danach die Größe des Museums festlegen sollen, statt die Zinsentwicklung über die Ausstellungsfläche entscheiden zu lassen.

BSV/26/62173: Errichtung eines Römischen Museums Grundsatzbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 26. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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