Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Fehlplanung

Wasserspiel zu langweilig: Halbe Million für Ersatz

Für 500.000 Euro will Augsburg ein erst elf Jahre altes, mit Fördergeld gebautes Wasserspiel ersetzen, das bis 2039 stehen müsste

Was ist passiert?

Der Martin-Luther-Platz liegt mitten in der Augsburger Fußgängerzone, zwischen Annastraße und Fuggerplatz. Den westlichen Rand bildet die Kirche St. Anna, davor steht der historische Goldschmiedebrunnen. Dazu kommen lange Bänke, drei Bäume, eine Spielebox und im Osten ein kleines Wasserspiel aus Granitquadern. Umgebaut wurde der Platz 2014 nach einem Wettbewerb, bezuschusst aus der Städtebauförderung.

Das Wasserspiel war damals bewusst zurückhaltend angelegt: Es besteht aus dem gleichen Material wie das Pflaster, um dem Goldschmiedebrunnen optisch keine Konkurrenz zu machen. Genau diese Bescheidenheit wird ihm nun zum Verhängnis. Laut einer Beschlussvorlage der Stadt vom Mai 2025 bietet es nur einen „begrenzten Erlebniswert“ und trägt nicht im erhofften Maß zur Aufenthaltsqualität bei. Weil sich das Einkaufsverhalten verändert habe, sollen Familien künftig mit einem Brunnen mit größerem Spielwert in die Innenstadt gelockt werden.

Eine erste grobe Schätzung kommt auf rund 500.000 Euro. Allein für die Entwurfsplanung sollen zunächst etwa 70.000 Euro bereitgestellt werden, gut ein Siebtel der geschätzten Gesamtsumme. Den Auftrag soll dasselbe Landschaftsarchitekturbüro erhalten, das den Platz einst geplant hat und die Urheberrechte hält. Bezahlt werden soll der neue Brunnen aus einer privaten Spende, Mitteln des Prinzfonds und einem „untergeordneten“ städtischen Eigenanteil.

Der Haken liegt in der Förderung von damals. An sie ist eine Bindungsfrist von 25 Jahren geknüpft, die bis 2039 läuft. Das Wasserspiel hätte also noch 14 Jahre stehen müssen, ersetzt werden soll es nach rund elf. Die Stadt will deshalb erst mit der Regierung von Schwaben klären, ob diese auf die Rückforderung bereits gezahlter Fördermittel verzichtet. Eine erneute Förderung des neuen Brunnens ist ausdrücklich ausgeschlossen. Ob sich das alte Wasserspiel ausbauen und andernorts wieder aufstellen lässt, soll noch geprüft werden.

Kritik

Wer ein gefördertes Wasserspiel schon nach elf Jahren wegen zu geringen Spielwerts ersetzen will, gesteht ein, dass die erste Planung am Bedarf vorbeiging. Dass nun dasselbe Büro für 70.000 Euro einen neuen Entwurf liefern soll, macht die Sache nicht überzeugender. Eine halbe Million Euro für die Korrektur eines Platzes, dessen Förderbindung noch bis 2039 läuft, ist auch dann kein sparsamer Umgang mit Geld, wenn Spenden und Fonds einen Teil tragen. Zuerst hätte geprüft werden müssen, ob sich das vorhandene Wasserspiel mit geringem Aufwand aufwerten lässt.

BSV/25/61035: Neukonzeption des Spielbrunnens auf dem Martin-Luther-Platz (Grundsatzbeschluss), Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 3. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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