120.000 Euro jährlich für Fan-Straßensperren
Bielefeld will ab 2027 jährlich 120.000 Euro zahlen, um Straßen für Gästefans auf dem Weg zum Stadion zu sperren, obwohl es sich nicht zuständig sieht
Was ist passiert?
Wer als Gästefan des DSC Arminia Bielefeld mit der Bahn anreist, geht vom Hauptbahnhof zu Fuß zum Stadion an der Schloßhofstraße, nach dem Spiel wieder zurück. Bisher begleitete die Polizei diese Fanmärsche. Mit Schreiben vom 3. August 2026 kündigte das NRW-Innenministerium eine Änderung an: Die verkehrliche Absicherung sei Sache der Kommunen, Rechtsgrundlage sei § 29 StVO.
Die Verwaltung der Stadt Bielefeld sieht das anders. Nach § 29 StVO brauche eine Veranstaltung eine Genehmigung. Die Fanmärsche würden aber nie angemeldet, einen Veranstalter gebe es nicht. Eine Genehmigung samt Auflagen sei daher gar nicht möglich. Das Rechtsamt hat noch nicht abschließend geprüft, und auch der Rechtsausschuss des Städtetags NRW will sich Anfang Oktober damit befassen.
Trotzdem sollen Rat und Ausschüsse Geld bereitstellen: 60.000 Euro überplanmäßig für 2026, ab 2027 jährlich 120.000 Euro. Die Verwaltung begründet das mit dem laufenden Spielbetrieb. Zugleich räumt sie ein, dass die Übernahme der Aufgabe als Anerkennung der Zuständigkeit gelten könnte.
Die Planung ist aufwendig. Für die Strecke sind etwa 20 Sperrstellen und 12 Vorsperren vorgesehen, besetzt mit rund 52 Ordnern, dazu ein Verkehrssicherungsunternehmen. Je Spieltag sind etwa drei Stunden Sperrzeit nötig, die Kosten liegen bei 15.000 bis 20.000 Euro. Das sind bei 15.000 Euro und drei Stunden mindestens 5.000 Euro für jede Stunde gesperrter Straße. Angesetzt sind vier Spiele für 2026 (4 × 15.000 = 60.000 Euro) und acht ab 2027 (8 × 15.000 = 120.000 Euro). Bei allen 17 Heimspielen kämen mindestens 255.000 Euro zusammen.
Die Verwaltung selbst hält eine belastbare Kalkulation für unmöglich, weil die Zahl der anreisenden Fans oft erst wenige Tage vor dem Spiel bekannt ist. Hinzu kommt: Beim ersten Fanmarsch der Arminia-Fans zum Saisonbeginn wich die Menge schon nach den ersten Metern von der abgesperrten Route ab. Einfluss darauf hat die Stadt nach eigenen Angaben nicht.
Kritik
Die Stadt plant dauerhaft 120.000 Euro im Jahr für eine Aufgabe ein, von der sie selbst sagt, dass sie ihr rechtlich nicht zusteht. Für Sperrungen, denen die Fans nachweislich nicht folgen, ist das ein teures Risiko. Vor einer festen Zusage im Haushalt hätte die Zuständigkeit geklärt werden müssen, notfalls mit einer ausdrücklichen Kostenerstattung durch das Land. Wer jetzt zahlt, schafft Fakten und lädt dem Haushalt eine Dauerlast auf, die sich später kaum noch zurückgeben lässt.
2034/2025-2030/1: Umgang mit Fanmärschen bei Heimspielen vom DSC Arminina Bielefeld, Ratsinformationssystem der Stadt Bielefeld, 29. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.