Staatsbilanz

Stadt/Bielefeld/Folgekosten

255.000 Euro für Sperren, die Fans umgehen

Bielefeld zahlt 15.000 bis 20.000 Euro je Heimspiel für Straßensperren zum Fußballstadion, obwohl es sich nicht zuständig sieht

Was ist passiert?

Der DSC Arminia Bielefeld spielt in der 2. Bundesliga und trägt seine Heimspiele in der Schüco-Arena aus. Reisen Gästefans mit der Bahn an, ziehen sie in der Regel in Gruppen vom Hauptbahnhof zum Stadion und nach dem Abpfiff wieder zurück. Wer dafür die Straßen sperren muss, ist seit diesem Sommer umstritten. Mit Schreiben vom 3. August 2026 teilte das NRW-Innenministerium mit, Fanmärsche seien Veranstaltungen nach § 29 StVO, zuständig seien daher die Kommunen.

Die Stadt Bielefeld widerspricht. Die Märsche würden nie angemeldet, einen Veranstalter gebe es nicht, eine Genehmigung samt Auflagen sei deshalb gar nicht möglich. Eine abschließende Bewertung des Rechtsamts steht noch aus. Gezahlt werden soll trotzdem, denn der Spielbetrieb läuft weiter.

Der Aufwand ist beträchtlich: 20 Sperrstellen, 12 Vorsperren und voraussichtlich 52 Ordnerkräfte, dazu ein Verkehrssicherungsunternehmen für Auf- und Abbau. Je Sperrvorgang rechnet die Verwaltung mit etwa 1,5 Stunden plus mindestens 30 Minuten Vorlauf, pro Spieltag kommen für Hin- und Rückweg mindestens drei Stunden Sperrzeit zusammen. Das kostet 15.000 bis 20.000 Euro je Heimspieltag. Bei 17 Heimspielen sind es mindestens 255.000 Euro (17 × 15.000 Euro). Selbst bei der Untergrenze sind das 5.000 Euro für jede Stunde Sperrung (15.000 Euro : 3 Stunden).

Ob die Sperren überhaupt wirken, räumt die Verwaltung selbst als fraglich ein: Fans verließen die Route und suchten sich eigene Wege, die Sperrungen verfehlten dann ihren Zweck. Beim ersten Fanmarsch der Arminia-Anhänger zu Saisonbeginn änderten die Fans schon auf den ersten Metern die Strecke und liefen eine andere Route als die zuvor abgesperrte.

Die Verwaltung hatte zunächst 60.000 Euro für 2026 und 120.000 Euro jährlich ab 2027 vorgeschlagen. Die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen änderten das ab. Der Rat soll nun nur für 2026 zahlen, unter Vorbehalt und ohne Anerkennung der Zuständigkeit. Ein Kostenausgleich durch das Land bleibt vorbehalten, über 2027 soll im Dezember neu entschieden werden. Die 60.000 Euro decken bei 15.000 Euro je Spieltag rechnerisch vier Heimspiele. Der verworfene Ansatz von 120.000 Euro für 2027 hätte weniger als die Hälfte der hochgerechneten 255.000 Euro abgedeckt.

Kritik

Die Stadt gibt Geld für eine Aufgabe aus, die sie selbst nicht für ihre hält, und für Sperrungen, von denen die Verwaltung einräumt, dass Fans sie umgehen. Wer zahlt, bevor die Zuständigkeit geklärt ist, riskiert, dass aus der Notlösung eine Dauerverpflichtung wird. Naheliegend wäre gewesen, die Zuständigkeit vorab zu klären, bevor Steuergeld fließt, und die Kosten bei denen einzufordern, die den Aufwand auslösen oder die Aufgabe zugewiesen haben, also Land, Verein und Liga. Ein Einsatz von bis zu 20.000 Euro je Spieltag für drei Stunden unsicherer Straßensperrung ist ohne verbindliche Kostenbeteiligung nicht zu rechtfertigen.

2034/2025-2030/2: Umgang mit Fanmärschen bei Heimspielen vom DSC Arminina Bielefeld, Ratsinformationssystem der Stadt Bielefeld, 8. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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