Staatsbilanz

Stadt/Bielefeld/Teure Kleinigkeit

45.000 Euro im Jahr für neun Mülleimer

Bielefeld baut an neun Bushaltestellen keine Papierkörbe auf (9.000 Euro), weil das Leeren eine Stelle für 45.000 Euro jährlich kosten soll

Was ist passiert?

Bielefeld (NW). Wer in Bielefeld auf den Bus wartet, steht an manchen Haltestellen ohne Papierkorb da, obwohl dort viele Fahrgäste einsteigen. Der dritte Nahverkehrsplan der Stadt nennt Papierkörbe an aufkommensstarken Haltestellen ein Leitziel, in der Regel ab 100 Einsteigern am Tag. Aufgestellt werden die Behälter von der städtischen Verkehrsgesellschaft moBiel, geleert werden sie vom Umweltbetrieb der Stadt.

Bei einer Untersuchung zeigten sich sechs Haltestellenpositionen, die diese Schwelle überschreiten und trotzdem keinen Papierkorb haben. Vier weitere kamen hinzu, nachdem die Anforderung für die Verwaltung auf 80 Einsteiger an der stärksten Position gesenkt worden war. Eine der zehn Haltestellen, die Brüder Grimm-Schule, wird nur vom Schulverkehr angefahren und schied aus. Der Umweltbetrieb prüfte die verbliebenen neun Standorte und kam zu dem Schluss, dass die Touren dafür nicht ausreichen. Nötig sei eine zusätzliche Stelle, die 45.000 Euro im Jahr kostet und über die Abfallgebühren umgelegt würde. Sie fiele nach Angabe der Verwaltung schon an, wenn nur fünf statt neun Behälter geleert werden sollen.

Die Zahlen daneben wirken sonderbar. Das Aufstellen kostet laut moBiel einmalig rund 1.000 Euro je Standort, bei neun Standorten also 9.000 Euro. Die jährliche Stelle wäre damit fünfmal so teuer wie die gesamte Installation (45.000 : 9.000 = 5). Zugleich soll eine solche Stelle im Mittel 30 bis 40 Leerungen samt Umfeldreinigung pro Arbeitstag schaffen. Neun Behälter wären weniger als ein Drittel dieses Pensums an einem einzigen Tag (9 : 30 = 30 Prozent), fünf Behälter rund 17 Prozent. Der Umweltbetrieb hält dagegen, die Kapazitätsgrenzen seien nach zuletzt aufgestellten Behältern erreicht, und Straßenpapierkörbe müssten mindestens einmal pro Woche angefahren werden. Wie sich daraus der Bedarf einer ganzen Stelle ergibt, bleibt allerdings die Rechnung der Verwaltung.

Die Stadt empfiehlt, vorerst keine weiteren Haltestellen auszustatten, und verweist auf die Haushaltslage. Die nächste Prüfung soll auf dem Jahresbericht 2027 der moBiel beruhen.

Kritik

Ein selbst gesetztes Leitziel wird aufgegeben, obwohl es nur um neun Behälter geht, deren Aufstellung zusammen 9.000 Euro kostet. Dass für ein Pensum von weniger als einem Arbeitstag eine ganze Stelle nötig sein soll, überzeugt nicht. Die Verwaltung hätte die Leerung der wenigen Standorte im Rahmen der Touren anders organisieren oder wenigstens die fünf am stärksten genutzten Haltestellen versorgen können. Wer Haushaltsdisziplin mit dem Verzicht auf eine Kleinigkeit begründet, schadet den Fahrgästen, die weiter ohne Papierkorb warten, und nutzt der Stadtkasse kaum.

1794/2025-2030: Ausstattung von Bushaltestellen mit Papierkörben, Ratsinformationssystem der Stadt Bielefeld, 15. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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