Staatsbilanz

Stadt/Bielefeld/Finanzrisiko

625.000 Euro mehr für Kunsthalle Bielefeld

Bielefeld zahlt dem Museum bis 2028 zusätzlich 625.000 Euro für Verluste, doch ob das reicht, weiß die Stadt nicht

Was ist passiert?

Die Kunsthalle Bielefeld wird als gemeinnützige GmbH betrieben. Die Stadt, die Sparkasse Bielefeld und die Kulturstiftung pro Bielefeld halten daran je ein Drittel. Die Stadt zahlt dem Haus seit Jahren einen allgemeinen Betriebskostenzuschuss von über zwei Millionen Euro, der Personal, Miete, Reinigung und andere ausstellungsunabhängige Kosten decken soll. Dazu kommen Zuschüsse für Digitalisierung, Tariferhöhungen und zusätzliche Stellen. Für 2026 sind insgesamt rund 2,95 Millionen Euro eingeplant.

Das reicht nicht. Als Gründe nennt die Verwaltung gestiegene Energie- und Versicherungskosten. Der ursprüngliche Wirtschaftsplan 2026 sah einen Verlust von 120.000 Euro vor. Die Kunsthalle will ihn nun mit zwei statt drei Ausstellungen und einem zusätzlichen Schließtag, der etwa 25.000 Euro bringen soll, auf 65.000 Euro drücken. Die Stadt soll trotzdem 75.000 Euro zuschießen, damit zum Jahresende keine Überschuldung droht. Weil im Haushalt 2026 dafür kein Geld vorgesehen ist, wächst der geplante Fehlbetrag der Stadt entsprechend.

Für 2027 erwartet die Kunsthalle einen Verlust von 265.000 Euro. Die Stadt will 175.000 Euro mehr zahlen und zusätzlich auf eine Rückzahlung von 100.000 Euro verzichten, zusammen 275.000 Euro. Für 2028 soll dasselbe gelten. Über die drei Jahre summiert sich die Mehrbelastung auf 625.000 Euro (75.000 plus 2 mal 175.000 plus 2 mal 100.000).

Ob das genügt, kann die Verwaltung nach eigener Aussage nicht einschätzen. Die Lage hänge vom Fortgang der geplanten Sanierung der Kunsthalle ab. Mit deren Beginn, derzeit für 2029 vorgesehen, werde sich die Lage voraussichtlich entspannen. Dann soll die Kunsthalle in den Jahren 2029 und 2030 je 412.500 Euro an die Stadt zurückführen, zusammen 825.000 Euro. Das ist die Begründung der Verwaltung, und sie steht und fällt mit einem Termin, der noch in der Zukunft liegt.

Kritik

Die Stadt gleicht Jahr für Jahr Verluste aus, die sie nicht beeinflussen kann, und bürgt dabei für eine Rückzahlung, die an einen Sanierungsbeginn 2029 gekoppelt ist. Wer Zuschüsse erhöht und zugleich einräumt, nicht zu wissen, ob sie reichen, zahlt auf Verdacht. Die Beträge von 75.000 und 275.000 Euro liegen sogar über den erwarteten Verlusten von 65.000 und 265.000 Euro. Vor weiteren Zusagen hätte die Stadt ein belastbares Sanierungs- und Sparkonzept verlangen müssen, das die Rückzahlung absichert und die Ausstellungskosten dauerhaft senkt.

1646/2025-2030: Gesellschafterzuschuss an Kunsthalle Bielefeld gem. GmbH, Ratsinformationssystem der Stadt Bielefeld, 14. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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