Bielefeld baut Kitas trotz 1.000 leerer Plätze
In Bielefeld sind bis zu 1.000 Kita-Plätze zu viel, weil 507 Kinder weniger geboren wurden als 2020, doch neue Kitas entstehen trotzdem
Was ist passiert?
Wer in Bielefeld in den vergangenen Jahren ein Kind anmelden wollte, kannte die Lage: Plätze waren knapp. Seit 2014 stieg die Zahl der Kinder unter sechs Jahren wegen der Zuwanderung stark an. Jugendamt und technische Ämter der Stadt bauten das Angebot in großen Anstrengungen aus.
Der jüngste Jahrgang wuchs von weniger als 3.000 Kindern (2014) auf 3.401 (2020). Dann drehte sich die Entwicklung. Im Sommer 2025 zählte er nur noch 2.894 Kinder, also 507 weniger, rund 15 Prozent (507 : 3.401). Die Prognose von Land und Stadt aus dem Jahr 2022 hatte dagegen nur ein vorübergehendes Tief erwartet, weil während der Coronapandemie Kinderwünsche vorgezogen worden seien. Diese Annahme hat sich nicht bestätigt.
Je nach Szenario sind nun 600 bis 1.000 Plätze überzählig. Bei 1.000 wäre das mehr als ein Drittel eines ganzen Jahrgangs (1.000 : 2.894 = 35 Prozent). Die Verwaltung will sich am milderen Szenario ausrichten, das sogar wieder moderat steigende Kinderzahlen annimmt. Gruppen und einzelne Kitas sollen schließen, einige Neubauten, etwa in Heeper Fichten und Sennestadt Nord, wurden zunächst zurückgestellt.
Anderes läuft weiter. In Brackwede geht die Kita Heuberger Straße im laufenden Kita-Jahr an den Start, obwohl bereits viele Freiplatzmeldungen vorliegen und eine Überversorgung als sehr wahrscheinlich gilt. Die Kita Rosenhöhe soll 2027/2028 folgen, ihre Größe wird erst jetzt überprüft. Im Bezirk Quelle ist die Kita im Neubaugebiet Arminstraße schon im Bau, während die Kinderzahl dort um 58 sank, die Vorlage spricht von drastisch. In Sennestadt Süd nahm die Kita Abenteuerland vier zusätzliche Gruppen in Betrieb, eine andere Kita im selben Teil schließt zum Kita-Jahr 2026/2027.
Der Rückbau ist zudem zäh: Träger im Mietmodell können keine Gruppen abbauen, weil mit der Mietpauschale sonst die Immobilie nicht zu halten wäre.
Kritik
Eine Prognose, die einen fallenden Trend als Corona-Delle abtut, ist ein schwaches Fundament für Bauten, die erst Jahre später fertig werden. Spätestens als die ersten Freiplatzmeldungen eintrafen, hätten Heuberger Straße, Arminstraße und Rosenhöhe gestoppt oder verkleinert werden müssen, statt sie weiterzuführen. Künftig gehören Neubauten an mehrere Szenarien gebunden, und Kitas sollten so geplant werden, dass sich Gruppen später umnutzen oder abbauen lassen. Wer Plätze für einen Höchststand baut, muss den Rückbau gleich mitdenken.
0071/2025-2030: Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Kita-Landschaft, Ratsinformationssystem der Stadt Bielefeld, 15. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.