Staatsbilanz

Stadt/Bielefeld/Fehlplanung

Müllautos mit Wasserstoff stehen oft still

In Bielefeld fielen 2025 die sieben Wasserstoff-Müllwagen zu 47 Prozent aus, und seit 2026 gibt es keine passende Tankstelle mehr

Was ist passiert?

Der Umweltbetrieb der Stadt sammelt mit 62 Abfallsammelfahrzeugen den Müll ein. Sieben davon fahren mit Wasserstoff. Das erste Fahrzeug kam 2021, sechs weitere folgten Ende 2023. Die Anschaffung gehörte zu einem Modellprojekt der Region Ostwestfalen-Lippe, rund 90 Prozent der Mehrkosten gegenüber Dieselfahrzeugen trug der Bund. Damals galt der Wasserstoffantrieb als eine der wenigen praxistauglichen Alternativen. So sieht es zumindest die Verwaltung.

Die Praxis sah anders aus. 2025 standen die Fahrzeuge im Schnitt zu rund 47 Prozent still, also rechnerisch mehr als drei der sieben zu jedem Zeitpunkt (7 × 0,47 ≈ 3,3). Die Liste der Ursachen ist lang: Störungen an den Brennstoffzellen, Probleme mit Hochvoltbatterien, Tanksystem und Hydraulik, dazu Ersatzteile mit langen Lieferzeiten. Damit die Müllabfuhr nicht ausfiel, mussten vertraglich vereinbarte Ersatzfahrzeuge einspringen.

Dann kam das Tankproblem. Die Fahrzeuge haben ein 700-bar-Tanksystem. Eine geplante Tankstelle in Bielefeld wurde im Juli 2025 mangels Nachfrage nicht gebaut. Die bisher genutzte Station in Rheda-Wiedenbrück und die nächste in Hasbergen gingen zum 31.12.2025 dauerhaft vom Netz. Seit dem 1. Januar 2026 gibt es keine öffentliche 700-bar-Tankstelle mehr. An 350-bar-Stationen lassen sich die Wagen nur teilweise befüllen, die Reichweite sinkt.

Rettung soll die Wasserstofftankstelle des Verkehrsunternehmens moBiel bringen. Sie wurde aber mit zweckgebundenen Landesmitteln für Busse gebaut. Eine Mitnutzung wäre nur mit förderrechtlichen Anpassungen, womöglich anteiliger Rückzahlung von Fördergeld und technischen Umbauten möglich. Geklärt ist nichts.

Zum Vergleich: Ein Wasserstoff-Müllwagen kostet heute rund 1,1 Mio. Euro, ein batterieelektrisches Fahrzeug rund 0,75 Mio. Euro. Das sind 0,35 Mio. Euro oder gut 46 Prozent mehr je Fahrzeug, bei sieben Stück 2,45 Mio. Euro (7 × 0,35 Mio. Euro).

Kritik

Wer neue Antriebstechnik erprobt, muss die Versorgung sichern, bevor er kauft. Der Umweltbetrieb bestellte sechs weitere Fahrzeuge, obwohl das erste Modell und die Tankstellenlage noch kaum Erfahrung geliefert hatten. Ein einzelnes Testfahrzeug hätte genügt, um Ausfallquote und Tankproblem zu erkennen. Dass der Bund den Großteil der Mehrkosten übernahm, macht das Geld nicht weniger öffentlich: Fahrzeuge, die zur Hälfte stehen und kaum zu betanken sind, taugen weder für die Müllabfuhr noch als Erprobung mit Nutzen.

0755/2025-2030: Stand und Perspektiven des Wasserstoffantriebs für Abfallsammelfahrzeuge im Umweltbetrieb Bielefeld, Ratsinformationssystem der Stadt Bielefeld, 11. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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