Staatsbilanz

Stadt/Bochum/Folgekosten

1 Million Euro Notgeld fürs Tierheim Bochum

Das Bochumer Tierheim kostet 1,3 Millionen Euro im Jahr, die Stadt zahlt 641.000 Euro und nimmt nun 1,01 Millionen Euro aus dem Computer-Etat

Was ist passiert?

Wer in Bochum ein Fundtier abgibt, landet im Tierheim des Tierschutzvereins Bochum, Hattingen und Umgebung. Die Stadt ist verpflichtet, Fundtiere unterzubringen, und lässt das vertraglich vom Verein erledigen. Dafür erhält er jährlich 541.000 Euro. Rund 80 Prozent der Tiere sind Fund- oder Sicherstellungstiere der Stadt.

Das Geld reiche seit etwa fünf Jahren nicht mehr, heißt es in der Finanzvorlage der Verwaltung: mehr Tiere, Gehälter nach Tarif, mehr Personal, höhere Betriebskosten. Für den Haushalt 2025/2026 wurde der Zuschuss deshalb um 100.000 Euro auf 641.000 Euro erhöht. Der Verein rechnet für 2026 dennoch mit Kosten von rund 1,3 Millionen Euro. Die Stadt deckt damit knapp die Hälfte (641.000 geteilt durch 1,3 Mio. ergibt rund 49 Prozent). Es fehlen rund 660.000 Euro.

Dazu kommt ein Neubau: eine weitere Katzenquarantäne sowie eine Quarantäne mit Krankenstation für Hunde, zusammen rund 3 Millionen Euro. Der Deutsche Tierschutzbund sagte 350.000 Euro zu, aber nur, wenn die Stadt dieselbe Summe zahlt. Die Stadt will sich beteiligen. Rechnerisch sind das 660.000 plus 350.000, also 1.010.000 Euro, die der Rat am 18. Juni 2026 überplanmäßig bewilligen soll. Bezahlt werden soll aus dem IT-Budget: Die neue Telefonanlage ist noch nicht überall installiert, KI-Aufgaben übernimmt eigenes Personal, und die Preissteigerung beim Microsoft-Vertrag fiel geringer aus als geplant.

Das Muster ist in der Vorlage selbst nachzulesen. Das Kleintierhaus von 2021 (1,3 Mio. Euro, Stadtanteil 375.000 Euro) erhöhte die Betriebskosten. Die Katzencontainer für 72.000 Euro, die Platz für etwa 16 Tiere bieten, taten es ebenfalls. Auch das Hundehaus 4 für rund 1,6 Mio. Euro, an dem die Stadt nichts bezahlte, treibt die Kosten hoch. Jeder Bau erzeugt also die nächste Finanzierungslücke. Der Verein warnte, ohne Hilfe könnten nicht mehr alle Tiere aufgenommen werden. Die Stadt hält die Ausgabe für unabweisbar.

Kritik

Dass Fundtiere versorgt werden müssen, steht außer Frage. Doch die Stadt wusste seit Jahren, dass der Zuschuss nicht reicht, und reagierte mit 100.000 Euro mehr, die gegenüber einem Bedarf von rund 1,3 Mio. Euro kaum etwas ändern. Zuschüsse zu Neubauten ohne Berechnung der Folgekosten führen zwangsläufig zu der nächsten Nachforderung. Die Stadt hätte den Zuschussvertrag rechtzeitig auf realistische Kosten umstellen und vor jeder Baubeteiligung die laufenden Betriebskosten festschreiben müssen. Eine Notbewilligung, die über Umwege aus dem IT-Budget kommt, ersetzt keine ehrliche Haushaltsplanung.

20261308: Überplanmäßige Bereitstellung von konsumtiven Haushaltsmitteln gem. § 83 GO NRW in der Produktgruppe 1210 Ordnungsangelegenheiten im Budget des Ordnungsamts., Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 18. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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