Staatsbilanz

Stadt/Bochum/Folgekosten

2,2 Millionen Euro für 120 Poller in Bochum

Bochum will in der Innenstadt 120 feste Poller gegen Autoattacken setzen, doch verlegte Leitungen können über eine Million Euro mehr kosten

Was ist passiert?

Die Ruhrgebietsstadt bekommt aus dem Sondervermögen des Bundes über das Land Nordrhein-Westfalen ein pauschales Förderbudget von rund 200,4 Mio. Euro. Es ist für Sachinvestitionen gedacht, vor allem für Schulen, Sanierung und Infrastruktur. Auch öffentliche Sicherheit gehört zu den möglichen Förderbereichen, und genau dort will die Stadt einen neuen Posten unterbringen.

In der Innenstadt sollen künftig rund 120 fest installierte Poller an 15 Sperrstellen Großveranstaltungen absichern. Bislang kommen dafür mobile Sperren zum Einsatz. Die seien, so die Verwaltung, weder langfristig wirtschaftlich noch betrieblich effizient. Als Anlass nennt sie die anhaltend hohe Gefährdungslage durch Überfahrtaten. Die Umsetzung ist über drei Jahre geplant, acht Sperrstellen sollen 2026 folgen, fünf 2027 und die übrigen 2028. Ein Pilotprojekt gibt es schon.

Veranschlagt sind 2,2 Mio. Euro. Das macht rechnerisch gut 18.000 Euro je Poller (2,2 Mio. Euro geteilt durch 120) oder knapp 147.000 Euro je Sperrstelle (geteilt durch 15). Dabei ist die Summe ausdrücklich unvollständig. Versorgungsleitungen für Gas, Wasser und Strom müssen geschützt oder verlegt werden. Die Stadtwerke nennen dafür Richtwerte von etwa 25.000 Euro je Leitung, und zwar ohne Tiefbauarbeiten. Läge an einer Sperrstelle jede der drei Leitungen im Weg, kämen dort 75.000 Euro hinzu, über alle 15 Stellen wären es theoretisch gut 1,1 Mio. Euro.

Den gesamten Auftrag will die Stadt einmalig für drei Jahre an ein einziges Unternehmen vergeben. Das bringe Preisstabilität und weniger Abstimmungsaufwand. Die Maßnahme ist bislang nicht im Haushalt etatisiert, deshalb sollte der Rat am 19.03.2026 zustimmen.

Kritik

Der Schutz von Veranstaltungen ist ein ernstes Anliegen, doch 2,2 Mio. Euro für Poller sind kein belastbarer Preis, wenn Leitungsarbeiten möglicherweise noch einmal mehr als eine Million Euro dazukommen. Ein Auftrag über drei Jahre an nur ein Unternehmen nimmt dem Wettbewerb den Druck, die Kosten zu drücken. Die Stadt hätte zuerst klären müssen, an welchen der 15 Stellen wirklich feste Poller nötig sind und wo mobile Sperren genügen. Das Geld ist aus einem Topf gedacht, der Defizite in der Infrastruktur beheben soll, und das Pilotprojekt hätte als Kostenmaßstab für die Gesamtplanung dienen müssen.

20260503: Verwendung der Fördermittel aus dem „Gesetz über den Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur 2025 bis 2036“ (NRW Infrastrukturgesetz), Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 19. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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