25.000 Euro für ein Mini-Dach mit Tisch
Auf dem Buscheyplatz in Bochum kostet ein kleines Dach über Tisch und zwei Bänken 25.000 statt 12.000 Euro, Geld für einen Gehweg fehlt
Was ist passiert?
Der Buscheyplatz im Bochumer Süden ist autofrei. Junge Familien nutzen ihn, Kinder können sich frei bewegen, und neben einer Boule-Anlage steht schon einiges an Mobiliar. Nun soll dort ein Pavillon die Sitzgruppe überdachen, damit man das ganze Jahr über draußen sitzen kann.
Die Idee stammt aus dem Jahr 2024: SPD und Grüne wünschten sich drei Tische mit Bänken unter einem Dach. Die Verwaltung schlug einen Würfel von 2,20 mal 2,20 Metern mit Glasdach vor, die Bezirksvertretung stimmte im März 2024 zu. Veranschlagt waren 12.000 Euro, eingeplant für 2025. Nach einer neuen Kostenberechnung stieg der Betrag auf 20.000 Euro. Bei der Ausschreibung ging dann nur ein einziges Angebot ein, ein Landschaftsbaubetrieb wollte rund 34.000 Euro. Es beruhte auf einem Angebot des Herstellers, das fast doppelt so hoch ausfiel wie zuvor. Das Grünflächenamt sprach von einem „offensichtlichen Wucherpreis“ und hob die Ausschreibung auf. Die Folge: Ohne Vertrag verfielen die Mittel für 2025.
Jetzt folgt ein zweiter Anlauf. Das neue Dach aus anthrazitfarbenem Stahl mit begrüntem Dach und Seitenwänden aus Lochblech misst etwa 2,20 mal 3,00 Meter, das sind 6,6 Quadratmeter. Darunter stehen zwei Hockerbänke und ein Tisch. Die Kosten sollen rund 25.000 Euro brutto betragen, also etwa 3.800 Euro je Quadratmeter (25.000 Euro geteilt durch 6,6). Das sind 13.000 Euro mehr als die ersten 12.000 Euro, und aus drei Tischen wurde einer.
Bezahlen soll das Geld, das die Bezirksvertretung für 2026 eigentlich für die Sanierung des Gehwegs an der Wiemelhauser Straße bereitgestellt hatte. Die Verwaltung verweist auf den Wunsch nach Treffpunkten im öffentlichen Raum und auf die Aufenthaltsqualität. Ob die Bezirksvertretung am 27. Januar 2026 wie vorgeschlagen entschied, ist nicht bekannt.
Kritik
Rund 25.000 Euro für ein kleines Dach mit zwei Hockerbänken und einem Tisch sind eine hohe Summe für sehr wenig Aufenthaltsfläche. Dass Mittel für einen Gehweg in einen Pavillon umgeschichtet werden, stellt die Prioritäten auf den Kopf: Der Weg, den alle benutzen, muss warten, die Sitzgruppe für wenige soll Vorrang bekommen. Nach dem gescheiterten ersten Anlauf wäre ein deutlich einfacheres Konzept angebracht gewesen, statt mit neuem Entwurf nahezu das Doppelte der ersten Schätzung auszugeben.
20260154: Überdachte Sitzgruppe Buscheyplatz, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 27. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.