28 Millionen Euro zu viel am Haus des Wissens
Beim Neubau in Bochum sind Bau und Technik schon 28 Millionen Euro über dem Budget, obwohl erst etwa 64 Prozent der Aufträge erteilt sind
Was ist passiert?
Die Stadt Bochum baut das „Haus des Wissens“, ein Projekt, das schon im Namen viel verspricht. Der Rat hat dafür einen Realisierungsbeschluss mit festem Kostenrahmen gefasst und bekommt seither regelmäßig Controllingberichte. Im Bericht zum vierten Quartal 2025 war noch von einem Richtfest am 10. Juli 2026 die Rede. Im Bericht zum ersten Quartal 2026 steht stattdessen, dass die Übergabe voraussichtlich erst Ende 2027 oder im Frühjahr 2028 erfolgt. Die Verwaltung führt wiederholte ingenieurtechnische Klärungen, Umplanungen, Änderungen beim Brandschutz und Nachforderungen des Bauordnungsamts an. Einen neuen Termin fürs Richtfest soll der nächste Bericht bringen.
Zum ersten Mal kündigte die Verwaltung dort auch an, dass mit den Terminen die Kosten steigen werden. Eine Summe nannte sie nicht, die Aktualisierung der Prognose soll später folgen. Konkrete Zahlen lieferte die CDU-Fraktion in einer Anfrage zur Ratssitzung am 16. Juli 2026. Demnach ist das Budget der Kostengruppe 300 (Baukonstruktion) schon um 15,7 Mio. Euro überschritten, obwohl nur knapp 75 Prozent der Leistungen beauftragt sind. Bei Kostengruppe 400 (technische Anlagen) sind es 12,3 Mio. Euro Überschreitung bei knapp 52 Prozent. Zusammen macht das 28 Mio. Euro (15,7 + 12,3).
Der gesamte Beauftragungsbestand beträgt 97,8 Mio. Euro, das sind rund 64 Prozent der Kosten des Realisierungsbeschlusses. Daraus ergibt sich ein Rahmen von etwa 153 Mio. Euro (97,8 : 0,64). Die Überschreitung entspricht knapp 29 Prozent des bisher Beauftragten (28 : 97,8). Für den Rest des Baus liegen also noch gut ein Drittel der Aufträge vor der Stadt, während in den beiden Kostengruppen die Budgets bereits aufgebraucht sind. Die Antwort der Verwaltung auf die Anfrage lag zum Stand der Vorlage nicht vor.
Kritik
Wenn in zwei zentralen Kostengruppen das Budget gesprengt ist, bevor die Aufträge vollständig vergeben sind, war der Kostenrahmen offenkundig zu knapp oder die Planung zu unreif. Brandschutz, Statik und Gebäudetechnik hätten vor den Ausschreibungen geklärt sein müssen, nicht erst während des Baus. Die Stadt hätte die Mehrkosten früher beziffern und dem Rat vorlegen müssen, statt sie erst anzukündigen, wenn die Termine längst nicht mehr zu halten sind. Wer Bauaufträge vergibt, ohne dass die Planung steht, bezahlt die Unklarheit später mit Steuergeld.
20261973: Bauprojektcontrolling "Haus des Wissens", Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 16. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.