73.368 Euro für Sperren beim Umzug
Bochum zahlt für den Gänsereiterumzug in Höntrop 73.368 Euro für Absperrungen und Wachdienst, 2024 waren es noch 37.791 Euro
Was ist passiert?
Der Gänsereiterumzug in Höntrop ist eine Brauchtumsveranstaltung, die der Rosenmontag mit sich bringt und die von Vereinen getragen wird. Wie bei anderen Traditionsumzügen auch müssen die Veranstalter Besucher vor terroristischen Bedrohungslagen schützen, etwa mit Zufahrtssperren. Die Stadt Bochum hatte dazu am 30. Januar 2020 beschlossen, den durchführenden Vereinen die nachgewiesenen Kosten dieser Sicherheitsauflagen zu 100 Prozent zu erstatten.
Im Jahr 2020 trug der Veranstalter seine Kosten von 1.303,50 Euro für den Zufahrtsschutz noch selbst. Nach zwei Jahren Corona-Pause zahlte die Stadt erstmals 2023 und kam auf 36.955,45 Euro. 2024 waren es 37.790,83 Euro, davon 3.572,38 Euro für den Zufahrtsschutz und 34.218,45 Euro für die Verkehrssicherung. Dann folgte 2025 der Sprung: Der Zufahrtsschutz kostete 36.349,74 Euro, also gut das Zehnfache des Vorjahres. Dazu kamen erstmals 2.800 Euro für einen Sicherheitsdienst. Die Gesamtrechnung lag bei 73.368,19 Euro, fast doppelt so hoch wie 2024. Von den 35.577,36 Euro Mehrkosten (73.368,19 minus 37.790,83) entfielen 32.777,36 Euro auf die Zufahrtssperren. Für die drei Umzüge seit 2023 summieren sich die Kosten auf rund 148.000 Euro.
Die Verwaltung begründet das knapp: Die Sicherheitsanforderungen seien in den vergangenen zehn Jahren „erheblich gestiegen“, der Zufahrtsschutz zeige das exemplarisch. Das mag stimmen, erklärt aber eher die Richtung als einen Sprung um das Zehnfache innerhalb eines Jahres. Für 2026 rechnet die Stadt mit ähnlich hohen Kosten. Die Bezirksvertretung Wattenscheid soll dafür bis zu 43.000 Euro aus bezirklichen Mitteln für Verkehrssicherung und Sicherheitspersonal übernehmen, die Zahlung soll gegen Rechnung direkt an die Firma gehen. Polizei und kommunaler Ordnungsdienst verursachten dem Veranstalter keine Kosten.
Kritik
Wer alle nachgewiesenen Kosten ohne erkennbare Obergrenze übernimmt, nimmt dem Veranstalter jeden Anreiz, nach günstigeren Lösungen zu suchen. Eine Verzehnfachung des Zufahrtsschutzes innerhalb eines Jahres hätte die Stadt nicht einfach abnicken dürfen, sondern das Sperrkonzept und die Preise kritisch hinterfragen müssen. Sinnvoll wäre eine Kostenobergrenze oder eine Selbstbeteiligung der Veranstalter. Außerdem sollte die Stadt prüfen, ob sich Sperrmaterial für mehrere Brauchtumsveranstaltungen gemeinsam einsetzen lässt, statt jeden Umzug einzeln teuer abzusichern.
20260219: Betreff: Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Gänsereiterumzug an Rosenmontag 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 3. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.