Bochum: 75.000 Euro für Kinderkultur
Bochum hebt das Geld für Kulturangebote an Kinder von 3.000 auf 75.000 Euro im Jahr, auch um bei einem Landeswettbewerb mit 15.000 Euro Preis zu punkten
Was ist passiert?
Bochum ist eine Großstadt im Ruhrgebiet. Seit 2024 gibt es dort im Kulturbüro eine Koordinierungsstelle für Kulturelle Bildung, besetzt mit zwei halben Stellen. Sie soll Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Kultur erleichtern. Auf Antrag von SPD und Grünen erarbeitete die Stadt dazu ein erstes Gesamtkonzept und reichte es beim Landeswettbewerb für Kommunale Gesamtkonzepte für Kulturelle Bildung ein. Ein zweites Konzept, das Kulturelle Bildung in den Ganztag der Grundschulen bringen soll, ging in einen weiteren Landeswettbewerb. Wer ausgezeichnet wird, erhält je Konzept eine Prämie von 15.000 Euro.
Nun kam eine Ratsentscheidung hinzu. Am 7. Mai 2026 beschloss der Rat im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie, das Budget für das Themenfeld „Kulturelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung strategisch gestalten“ von 3.000 auf 75.000 Euro im Jahr anzuheben, und zwar fünf Jahre lang ab 2026. Das ist das 25-Fache des bisherigen Betrags (75.000 geteilt durch 3.000). Über fünf Jahre summiert sich die Erhöhung auf 360.000 Euro: 375.000 Euro neu statt 15.000 Euro alt.
Die Verwaltung begründet den Schritt damit, dass die Stadt so die Bedeutung des Themas verdeutliche. Im Gesamtkontext der Landeswettbewerbe sei das ein Alleinstellungsmerkmal und ein wichtiges Zeichen für die Jury. Ein einziges Jahresbudget entspricht damit fünf Wettbewerbsprämien. Selbst die Strukturförderung, die es erst ab der vierten Auszeichnung gäbe, wäre mit 3 mal 20.000, also 60.000 Euro, nur ein Sechstel der neuen Fünfjahressumme.
Ob die Stadt ausgezeichnet wird, war zum Stand der Mitteilung offen.
Kritik
Wer ein Budget auf das 25-Fache anhebt und dies ausdrücklich als Zeichen für eine Jury einordnet, bezahlt vor allem für Außenwirkung. Den zusätzlichen 360.000 Euro über fünf Jahre steht im Erfolgsfall eine Prämie von 15.000 Euro je Konzept gegenüber. Ein Wettbewerb ist kein tragfähiger Grund, einen Haushaltsansatz in dieser Größenordnung zu vervielfachen. Sinnvoller wäre gewesen, den Betrag schrittweise und an konkrete Angebote für Kinder zu knüpfen, statt zuerst die Summe festzulegen.
20261273: Vorstellung Sachstand Kommunales Gesamtkonzept für Kulturelle Bildung und Konzept zur Strategischen Integration Kultureller Bildung in den Ganztag, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 7. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.