Bochum: Neue Gehaltssoftware kostet 7,3 Millionen
Bochums Verwaltung zahlt für ein neues Programm für Gehälter 7,3 statt 4,9 Millionen Euro, ab 2028 fehlen jährlich 2 Millionen Euro
Was ist passiert?
Gehälter berechnen, Bewerbungen abwickeln, Dienstreisen abrechnen: Dafür braucht auch eine Großstadtverwaltung ein Personalsystem. Bochum nutzt dafür bislang die Software Loga und bietet sie sogar anderen Kommunen an. Schon 2021 beschloss der Rat, Loga abzulösen. Nun soll SAP HCM kommen, eingeführt und betrieben vom Dienstleister rku.it. Die Verwaltung nennt den Umstieg „unabweisbar“.
Die Rechnung dafür fällt höher aus als geplant. Im Haushalt stehen 4,9 Mio. Euro für die Einführung bereit, das verbindliche Angebot vom 9. Februar 2026 beläuft sich auf 7,331 Mio. Euro. Das sind rund 2,4 Mio. Euro mehr (7,331 minus 4,9). Hintergrund ist ein Plan, der kippte: Eigentlich sollte SAP im eigenen Rechenzentrum der rku.it laufen. Wegen einer geänderten SAP-Lizenzpolitik kam dieses Angebot nie zustande, also wechselte man zur Cloud-Lösung. Deren Angebot traf laut Vorlage „mit erheblichen Verzögerungen“ ein.
Dazu kommen laufende Kosten, die rasch wachsen: 1,042 Mio. Euro im Jahr 2026, 1,695 Mio. Euro 2027 und 2,723 Mio. Euro 2028, danach jährlich 3,3 Prozent mehr. 2028 ist das gut das 2,6-Fache von 2026 (2,723 geteilt durch 1,042). Ab 2028 klafft laut Vorlage eine nicht eingeplante und nicht gedeckte Lücke von rund 2,0 Mio. Euro pro Jahr.
Ausgleichen sollen das Einsparungen, doch die „können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden“. Sicher ist dagegen, was wegfällt: Die Einnahmen von rund 2,9 Mio. Euro jährlich aus dem Loga-Geschäft mit anderen Kommunen enden 2027. Die Kundenverträge waren gekündigt worden, lange bevor der endgültige Preis feststand. Dem stehen etwa 1 Mio. Euro eingesparte Lizenzkosten und weniger Personal gegenüber, von 11 auf zunächst 5, später 3 bis 4 Stellen. Neue Personalkosten von 350.000 Euro für das HR Service-Management kommen aber hinzu.
Kritik
Bei einem Projekt, das ab 2028 jährlich rund 2 Mio. Euro ungedeckte Mehrkosten verursachen soll, gehört der Nutzen vor dem Beschluss auf den Tisch. Dass Einsparungen „mittelfristig“ kommen, aber keine Zahl dahintersteht, reicht dafür nicht. Die Stadt hat zudem ein Einnahmegeschäft von 2,9 Mio. Euro im Jahr beendet, bevor ein verbindlicher Preis vorlag. Vor einer solchen Weichenstellung hätte man Kosten, Einnahmeverluste und Einsparungen gegenüberstellen und die Preisentwicklung vertraglich begrenzen müssen.
20260520: Ablösung des bestehenden Personalmanagementsystems durch SAP HCM, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 19. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.