Bochum zahlt 2,6 Millionen für Waldersatz
Bochum ließ Bäume für eine Sportanlage fällen und zahlte 2,6 Millionen Euro für neuen Wald in anderen Orten, bevor der Rat entschied
Was ist passiert?
Am Walter-Lohmann-Ring plant die Stadt den Sportpark Feldmark. Das Baurecht dafür soll der Bebauungsplan Nr. 1027 schaffen, dessen Satzung der Rat am 18. Juni 2026 endgültig beschließen sollte. Für den Bau hofft Bochum auf das Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten, das 55 Prozent der Gesamtkosten fördert, sofern der Haushaltsausschuss des Bundestags zustimmt.
Die Bäume am Walter-Lohmann-Ring waren da längst gefallen. Die Stadt ließ sie fällen, bevor die Satzung beschlossen war. Baurechtlich ist das nach § 33 Abs. 1 BauGB nicht zu beanstanden. Folgenlos blieb es trotzdem nicht: Für die Fällung muss ein forstrechtlicher Ausgleich für 121.711 Quadratmeter geschaffen werden, durch Erstaufforstungen in Telgte, Beckum und Stadtlohn. Die Verwaltung beziffert die Kosten samt Pflege und Kontrolle auf 2.609.396 Euro und teilte mit, das Geld sei bereits abgeflossen. Das sind rund 21,44 Euro je Quadratmeter neuen Waldes (2.609.396 : 121.711).
Das gesamte Sportpark-Projekt wird derzeit mit 4,5 Mio. Euro veranschlagt. Der Ausgleich allein entspräche damit etwa 58 Prozent dieser Summe (2,61 : 4,5). Ob er darin steckt, ist unklar. Käme er obendrauf, lägen die Kosten bei gut 7,1 Mio. Euro. Das wäre mehr als die 5 Mio. Euro, ab denen die Stadt eine zusätzliche externe Projektsteuerung vorsieht. Ebenso offen ist, ob der Ausgleich förderfähig ist. Wäre er es, würde die Förderung rechnerisch rund 1,4 Mio. Euro übernehmen (55 Prozent von 2,61 Mio. Euro). Andernfalls bliebe die Summe allein bei der Stadt.
Die Ratsgruppe STADTGESTALTER/Volt wollte in einer Anfrage zur Ratssitzung wissen, warum die Gremien über diese Kosten nicht informiert wurden und warum kein Realisierungsbeschluss mit Kostenplan vor der Fällung terminiert war. Antworten der Verwaltung lagen zum Stand der Anfrage nicht vor.
Kritik
Rechtlich mag die frühe Fällung zulässig gewesen sein, klug war sie nicht. Die Stadt hat Fakten geschaffen und gut 2,6 Mio. Euro ausgegeben, bevor Rat und Ausschüsse über Bebauungsplan und Projekt entschieden hatten. Solche Folgekosten gehören vor der ersten Säge beziffert und den Gremien vorgelegt. Und sie müssen offen in die Gesamtkosten des Sportparks eingerechnet werden, damit niemand mit einem zu niedrigen Betrag plant.
20261621: Baumfällungen und Kosten der Kompensationsmaßnahmen zum Bebauungsplan Nr. 1027 - Sportpark Feldmark, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 18. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.