Bochumer Platz kostet 19,8 Millionen Euro
Bochum plant den Husemannplatz jetzt mit 19,8 statt 16,2 Millionen Euro, 2,4 Millionen davon kann die Stadt keinem Posten zuordnen
Was ist passiert?
Der Husemannplatz ist ein zentraler Platz in der Bochumer Innenstadt. Er wird derzeit mit einem Belag aus Grauwacke, einem Bauwerk namens GreenCloud und einer abgedichteten Tiefgarage neu gestaltet. Hochwertig und repräsentativ soll das Ergebnis sein.
Die Rechnung dafür wächst. Im Bauprojektcontrolling für das vierte Quartal 2025 lagen die erwarteten Gesamtkosten bei 16,2 Mio. Euro, im ersten Quartal 2026 bereits bei 18,6 Mio. Euro. Das sind 2,4 Mio. Euro mehr, rund 15 Prozent (2,4 geteilt durch 16,2). Die CDU-Fraktion wollte wissen, in welchen Kostengruppen das Geld steckt. Die Verwaltung antwortete, es gebe eine Vielzahl von Einzelfaktoren: zusätzliche Leistungen, Mehrmengen, Nachträge. Eine trennscharfe Zuordnung zu Platzgestaltung, Gebäude oder Tiefgarage sei nicht möglich. 2,4 Mio. Euro sind also ausgegeben oder eingeplant, aber keinem Posten zuzuschreiben.
Im zweiten Quartal 2026 kamen weitere 1,2 Mio. Euro hinzu, im Wesentlichen für die GreenCloud. Die Erklärung der Verwaltung: Stahlbau, Trockenbau und Sanitärinstallationen wurden erst 2025 ausgeschrieben, rund drei Jahre nach den Kostenannahmen des Realisierungsbeschlusses, und in der Zwischenzeit seien die Baupreise stark gestiegen. Rechnerisch ergäben sich damit 19,8 Mio. Euro (18,6 plus 1,2). Diese Summe nennt die Vorlage selbst nicht. Die CDU spricht von mehr als dem Doppelten des ursprünglichen Beschlusses. Restrisiken bis zur Fertigstellung schließt die Verwaltung nicht aus.
Während auf der Baustelle gerechnet wird, leidet der fertige Teil. Auf dem Naturstein kleben festgetretene Kaugummis, in den breiten Fugen stecken Zigarettenkippen. Das Spezialgerät des Umweltservice Bochum kam dort bisher nicht zum Einsatz. Die Nachverfugung soll erst nach Abschluss aller Pflasterarbeiten folgen, damit der Platz einheitlich altert. Bis dahin prüft die Stadt Hinweisschilder.
Kritik
Wer drei Jahre nach dem Realisierungsbeschluss ausschreibt, darf sich über gestiegene Angebotspreise nicht wundern. Dass eine Steigerung von 2,4 Mio. Euro keinem Gewerk zugeordnet werden kann, zeigt, dass die Kostenkontrolle auf der Baustelle nicht greift. Die fertigen Flächen verschmutzen unterdessen, weil man die Fugen aus optischen Gründen offen lässt. Bei einem Projekt dieser Größe müssen Ausschreibungen zeitnah erfolgen und Mehrkosten nachvollziehbar belegt werden, bevor weiteres Geld fließt.
20262601: Sauberkeit, Instandhaltung und Kostenentwicklung des Husemannplatzes, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 8. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.