Ladeboxen für E-Bikes laden nicht mehr
Bochum gab seit 2024 rund 18.000 Euro für fünf Solar-Ladeboxen an Schulen aus, die im Winter nicht laden und nur noch Fahrräder unterstellen
Was ist passiert?
Bochum beteiligte sich am Förderaufruf „Klimaschutz durch Radverkehr“ der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes. Beschafft wurden fünf mobile, energieautarke E-Bike-Ladegaragen mit Solardach und Speicher. Sie sollten eigentlich im Stadtgebiet „herumreisen“ und Standorte erproben. Nach dem Projektende 2019 stellte die Stadt sie in Abstimmung mit dem Projektträger Schulen zur Verfügung. Jede Garage hat sechs Kabinen, in die je zwei Räder passen.
Dann kam der Alltag. Laut Verwaltung gab es seit der Inbetriebnahme durchgehend Störungen, verursacht durch das elektronische Zugangssystem und durch Vandalismus. Als die Errichterfirma GEMBO GmbH die Zusammenarbeit aufkündigte, mussten an allen Standorten die App-Zugänge durch mechanische Schlösser ersetzt werden. Geladen wird nur noch im Sommerhalbjahr: In den sonnenarmen Monaten ist die Ladefunktion abgeschaltet, damit die Akkus nicht tiefentladen werden. An der Rudolf-Steiner-Schule ist sie sogar dauerhaft aus. Eine Garage musste Anfang 2025 von der Heinrich-Böll-Gesamtschule weichen, weil Platz für Schulraumcontainer gebraucht wurde. Sie steht seither auf einem Betriebshof.
Eine Reparatur der Elektronik scheitert nach Angaben der Stadt daran, dass GEMBO die Anlagen selbst entwickelt hat. Angefragte Fachfirmen lehnen Arbeiten daran ab. Neue Akkus in regelmäßigem Turnus nennt die Verwaltung wirtschaftlich nicht vertretbar. Ihr Fazit: Als Fahrradabstellplatz seien die Garagen ja weiter nutzbar.
Das hat seinen Preis. Bis Ende 2023 kostete der Betrieb je Anlage rund 1.000 Euro und die Instandhaltung rund 2.500 Euro im Jahr, bei fünf Anlagen also etwa 17.500 Euro jährlich (5 × 3.500 Euro). Seit 2024 hat die Stadt rund 18.000 Euro ausgegeben, das sind 3.600 Euro je Garage. Bei insgesamt 60 Stellplätzen (5 Garagen × 6 Kabinen × 2 Räder) entspricht das 300 Euro je Platz. Geprüft wurde die Elektrik im April 2024 für alle fünf Anlagen und als mangelfrei befunden. Die nächste Prüfung ist für 2028 vorgesehen.
Kritik
Wer Technik von einem einzigen Hersteller beschafft, den Betrieb ohne Absicherung an ihn bindet und das Gerät dann dauerhaft an Schulen gibt, geht ein Risiko ein, das bei einem Pilotprojekt mit mobilen Prototypen vorhersehbar war. Am Ende stehen Ladegaragen, die im Winter nicht laden und teils nie, und die für Betrieb und Instandhaltung weiter Geld kosten, obwohl sie nur noch als Fahrradständer dienen. Die Stadt hätte vor der Übergabe an die Schulen klären müssen, wer die Spezialtechnik im Notfall wartet und ersetzt. Für reine Abstellplätze hätte sie solche Solargaragen gar nicht erst weiterbetreiben müssen, sondern einfache Fahrradboxen aufstellen können.
20260860: E-Bike Garagen, Ratsinformationssystem der Stadt Bochum, 28. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.