Berater kontrollieren das Geld des Innenministeriums
Das Bundesinnenministerium zahlte Beratern knapp 28 Millionen Euro für seine IT-Projekte, schulte aber nur 14 von 137 eigenen Leuten
Was ist passiert?
Die Bundesverwaltung soll ein gemeinsames digitales Fundament bekommen. Dafür bündelt der Bund mit der IT-Konsolidierung Bund und den Netzen des Bundes seine Technik in zwei Großprojekten. Das Bundesinnenministerium (BMI) und das Bundesfinanzministerium holten sich dafür reichlich Hilfe von außen: Von 2018 bis 2022 riefen sie über 500 Leistungen aus 149 Rahmenverträgen ab, mindestens 261 Mio. Euro und 227.000 Personentage.
Bemerkenswert ist, was die Externen dabei übernahmen. Für knapp 28 Mio. Euro ließ sich das BMI beim Projektmanagement unterstützen, das waren 21 Prozent aller eingekauften Personentage. Zu den Aufgaben zählte auch das Finanzcontrolling, also die Frage, wohin das Geld des Projekts fließt. Das Ministerium hatte ab 2019 selbst festgestellt, dass ihm Wissen fehlte, unter anderem für die Steuerung großer Projekte und für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Inzwischen räumt es ein, teilweise von den Externen abhängig zu sein. Ohne sie seien einzelne IT-Maßnahmen gefährdet, und für das Finanzcontrolling brauche man sie auch künftig.
An Abhilfe mangelte es nicht auf dem Papier. 2021 nahm sich das BMI vor, die eigenen Leute im Projektmanagement fitter zu machen. Bis Ende 2023 besuchten 14 von 137 Beschäftigten der zuständigen Digitalisierungsreferate eine Schulung, also gut jeder Zehnte. Rechnerisch entfielen auf jeden dieser 137 Beschäftigten rund 204.000 Euro für externe Projekthilfe (28 Mio. Euro geteilt durch 137).
Der Fall steht nicht allein. Schon 2020 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages verlangt, den Einsatz externer Berater substanziell zu senken. Stattdessen stiegen die gemeldeten Ausgaben von 172,2 Mio. Euro im Jahr 2020 auf 239,2 Mio. Euro im Jahr 2023, ein Plus von 39 Prozent. Dabei taucht vieles gar nicht erst auf: Von rund 341 Mio. Euro für externe Dienstleister bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes meldete das BMI nur 4,2 Mio. Euro als Beratung, gerade 1,2 Prozent. Das sei alles ordnungsgemäß eingestuft, versichert das Ministerium.
Kritik
Ein Ministerium, das Externe über Jahre das eigene Finanzcontrolling führen lässt, kauft keine Hilfe für Lastspitzen ein, sondern eine dauerhafte Abhängigkeit. Die knapp 28 Mio. Euro wären besser in den Aufbau eigener Fachleute geflossen, statt nur jeden zehnten Beschäftigten zu schulen. Wer selbst erkennt, dass ihm Kompetenz fehlt, muss sie ins Haus holen, statt sie immer wieder neu einzukaufen. Solange die Bundesregierung den Auftrag des Parlaments ignoriert und Beraterkosten kleinrechnet, zahlen die Steuerzahler für ein Wissen, das am Ende wieder aus der Verwaltung hinausgeht.
Externe Beratungs- und Unterstützungsleistungen in der Bundesverwaltung, Bundesrechnungshof, 17. Juni 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.