Umschulung bezahlt, danach allein gelassen
Die Arbeitsagentur zahlte 2024 in Deutschland 1,9 Mrd. Euro für Kurse Arbeitsloser, doch fast jeden Vierten beriet sie danach nicht rechtzeitig
Was ist passiert?
Wer arbeitslos ist, kann sich auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit weiterbilden oder umschulen lassen. 2024 begannen rund 232.000 Menschen eine solche Maßnahme, die Ausgaben stiegen auf rund 1,9 Mrd. Euro. Rechnerisch sind das gut 8.000 Euro je neuem Teilnehmer (1,9 Mrd. Euro geteilt durch 232.000). Damit sich der Kurs auszahlt, hat die Bundesagentur ihren Vermittlern selbst Regeln gegeben: ein Beratungsgespräch binnen vier Wochen vor oder nach Kursende, das Bewerberprofil um die neuen Kenntnisse ergänzen, dann gezielt Stellen vorschlagen.
So steht es zumindest in der Weisung. Der Bundesrechnungshof zog eine Zufallsstichprobe. Bei 68 von 273 Absolventen (24,9 %), die eine Nachbetreuung gebraucht hätten, war kein fristgerechtes Gespräch dokumentiert. Fast jedes dritte Profil blieb unverändert, mehr als 40 % erhielten binnen drei Monaten keinen einzigen Vermittlungsvorschlag. Ein Teilnehmer eines Programmier-Bootcamps sollte seine neuen Kenntnisse selbst eintragen. Als das nicht gelang, verwies ihn die zuständige Vermittlungsfachkraft an den technischen Support. Eine Stelle fand er nicht.
Dabei hatten von den rechtzeitig Beratenen 40 % nach drei Monaten Arbeit, von den übrigen nur 25 %. Mit der höheren Quote wären es unter den 68 rund 27 statt 17 gewesen (40 % von 68). Die Bundesagentur hält die Vergleichsgruppe für heterogen und verweist darauf, dass in über 90 % der Fälle eingeladen worden sei. Die Vermittler nannten als Grund die hohe Arbeitsbelastung.
Neu ist das Muster nicht. Schon 2015 beanstandete der Rechnungshof Ähnliches bei den Jobcentern, die Interne Revision der Bundesagentur stellte es regelmäßig fest. Auch auf die eigene Erfolgsstatistik ist wenig Verlass: Bei 89,2 % der Teilnehmer, die ihr Bildungsziel verfehlt hatten, stand im System „Erfolgreiche Teilnahme“. Für 2026 hat die Bundesagentur für Weiterbildung rund 3,1 Mrd. Euro veranschlagt.
Kritik
Wer Tausende Euro je Teilnehmer in eine Weiterbildung steckt und danach weder berät noch das Profil aktualisiert noch Stellen vorschlägt, lässt einen Teil dieser Investition verpuffen. Die Bundesagentur muss ihre eigene Vierwochenfrist durchsetzen und die Nachbetreuung zentral steuern, statt sie dem Zufall überlasteter Vermittler zu überlassen. Solange fast neun von zehn gescheiterten Teilnehmern als erfolgreich verbucht werden, weiß niemand, was die Milliarden tatsächlich bewirken. Bevor das Budget weiter wächst, gehört die Erfolgsmessung in Ordnung gebracht.
Absolventenmanagement bei beruflicher Weiterbildung im Rechtskreis SGB III, Bundesrechnungshof, 24. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.