Jobcenter: Geld für Arbeitslose landet in Büros
Der Bund ließ zu, dass Jobcenter bundesweit 6,3 Milliarden Euro für Arbeitslosenhilfe von 2020 bis 2025 in eigene Personal- und Bürokosten steckten
Was ist passiert?
Bundesweit betreuen 404 Jobcenter rund 3,8 Millionen erwerbsfähige Menschen, die Grundsicherung beziehen. 300 davon betreiben die Bundesagentur für Arbeit und die Kommunen gemeinsam. Der Bund gibt ihnen Geld für zwei Zwecke: für Maßnahmen, die Arbeitslose zurück in Arbeit bringen sollen, und für die Verwaltung, von der er 84,8 Prozent übernimmt. Beide Töpfe dürfen sich gegenseitig aushelfen. Diese Erlaubnis nutzen die Jobcenter reichlich, und zwar stets in dieselbe Richtung.
Von 2020 bis 2025 wanderten 6,3 Mrd. Euro, die für die Eingliederung in Arbeit gedacht waren, in die Verwaltungskosten. Das sind im Schnitt gut 1 Mrd. Euro pro Jahr (6,3 Mrd. Euro geteilt durch sechs Jahre). 2025 nutzten die Jobcenter nur 68 Prozent ihres Eingliederungsbudgets. Das Arbeitsministerium erklärt das mit der langen vorläufigen Haushaltsführung in jenem Jahr. Die Zahlen für 2026 passen nicht recht zu dieser Erklärung: Bis Juli flossen nur 1,54 Mrd. Euro ab, rund 2 Mrd. Euro der verfügbaren 4,7 Mrd. Euro dürften liegen bleiben. Für 2027 sind trotzdem erneut 4,7 Mrd. Euro eingeplant.
Was die Verwaltung so teuer macht, zeigt ein Blick auf das Personal. Nach dem Gesetz soll in den gemeinsamen Jobcentern im Regelfall eine Betreuungskraft auf 150 Leistungsberechtigte über 25 Jahre kommen. Tatsächlich liegt der Durchschnitt bei 1 zu 122, und 95,7 Prozent der Einrichtungen setzen mehr Personal ein. Aus dem Regelfall ist so die Ausnahme geworden. Rechnerisch ergeben sich rund 3.400 Vollzeitstellen zu viel, bei 133.500 Euro je Stelle bis zu 450 Mio. Euro im Jahr. Auf den Bund entfallen nach seinem Anteil von 84,8 Prozent davon rund 380 Mio. Euro.
Ministerium und Bundesagentur sehen im gesetzlichen Wert nur eine Orientierung, ihr eigenes Personalmodell berücksichtige weitere Faktoren. Im Gesetz steht es anders. Zudem hielt die Bundesagentur im September 2025 mehr als 1.000 Stellen der Grundsicherung bei ihren Regionaldirektionen vor, die keinem Jobcenter zugeteilt waren.
Kritik
Ein Haushaltstitel, der Jahr für Jahr Milliarden übrig lässt, ist kein Eingliederungsbudget mehr, sondern eine stille Reserve für die Verwaltung. Das Arbeitsministerium sollte Eingliederungsmittel und Verwaltungskosten so ansetzen, wie sie tatsächlich gebraucht werden, statt die immer gleiche Umschichtung hinzunehmen. Der Betreuungsschlüssel ist ein gesetzlicher Richtwert und kein unverbindlicher Vorschlag; wer ihn für überholt hält, muss das Gesetz ändern lassen, statt jährlich bis zu 450 Mio. Euro daran vorbeizuzahlen. Ungenutzte Stellen gehören zurückgegeben.
Information über die Entwicklung des Einzelplans 11 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) für die Beratungen zum Bundeshaushalt 2027, Bundesrechnungshof, 11. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.