Bund zahlt dreimal so viel für Bahnsanierung
Der Bund zahlt 1,5 Mrd. statt geschätzter 500 Mio. Euro für die Sanierung der 70 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim
Was ist passiert?
Die Riedbahn verbindet Frankfurt am Main und Mannheim: 70 Kilometer Strecke, täglich rund 300 Züge, chronisch überlastet. Verspätungen, die hier entstehen, ziehen sich durch das ganze Netz. Im Mai 2022 ließ sich das Bundesverkehrsministerium (BMV) von der Deutschen Bahn überzeugen, solche Strecken künftig für Monate voll zu sperren und alles auf einmal zu erneuern. Die Riedbahn sollte das Pilotprojekt für 40 weitere Generalsanierungen werden, bezahlt mit Bundesmitteln.
Bei Planungsbeginn 2022 rechnete die Bahn mit 500 Mio. Euro. Dann kam die Ausschreibung. Vergeben wurde in nur zwei Losen, und für jedes Los fand sich genau ein Anbieter. Ein Kilometer Gleis kostete danach 2,3 Mio. Euro statt der bis dahin üblichen 795.000 Euro. Mit Ersatzverkehr, Risikozuschlägen und Nachträgen der Baufirmen stand die Summe im März 2025 bei 1,5 Mrd. Euro. Je Streckenkilometer sind das gut 21 Mio. Euro (1,5 Mrd. Euro geteilt durch 70 km). Von einem Teil der Steigerung erfuhr das Ministerium nach eigener Darstellung beiläufig über die Pressestelle der Bahn.
Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung lag erst vor, als die Ausschreibung längst lief. Sie ergab einen Vorteil von 17 Mio. Euro, gerade 1,5 Prozent der damals angesetzten 1,139 Mrd. Euro. Seither sind die Kosten um weitere rund 360 Mio. Euro gestiegen. Der vom Ministerium beauftragte Gutachter konnte die Rechnung nur eingeschränkt prüfen. Das BMV erklärte die Wirtschaftlichkeit trotzdem für nachgewiesen und verweist auf die monatlichen Berichte der Bahn. Messbare Ziele für eine Erfolgskontrolle verlangte es nicht.
Der Ertrag fällt schmal aus. Versprochen war, die infrastrukturbedingten Mängel um 80 Prozent zu senken, gemeldet wurden 27 Prozent. Fernzüge fahren höchstens 160 statt 200 km/h, weil die neue Zugsicherung erst im dritten Quartal 2025 in Betrieb gehen soll. Elf der selbst gesetzten Standards erfüllt die Strecke nicht. Andere Bahnprojekte verzögerten sich, weil Fachkräfte fehlten. Zwischen Hamburg und Berlin haben sich einzelne Preise bereits vervierfacht.
Kritik
Das Verkehrsministerium hat eine Sanierung finanziert, deren Kosten sich verdreifachten, ohne die Ausschreibung mit jeweils nur einem Bieter je Los ernsthaft in Frage zu stellen. Ein rechnerischer Vorteil von 1,5 Prozent auf wackeliger Grundlage rechtfertigt keine Milliardenausgabe. Wer ein Pilotprojekt startet, muss erst dessen Ergebnis auswerten, bevor er 40 weitere Strecken ausschreiben lässt. Weitere Bundesmittel für Generalsanierungen sollte es erst geben, wenn Notwendigkeit, Wirtschaftlichkeit und Erfolg belastbar belegt sind.
Generalsanierung von Schienen-Hochleistungskorridoren, Bundesrechnungshof, 11. Juni 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.