Bund zahlt für Wald mehr, als er wert ist
Der Bund zahlte 31,77 Mio. Euro für einen Waldkauf des NABU bei Stolberg in Sachsen-Anhalt, obwohl der Preis über dem geschätzten Wert lag
Was ist passiert?
Im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt hat die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe bei Stolberg/Südharz knapp 990 Hektar Wald gekauft. Der Wald soll künftig sich selbst überlassen bleiben und als sogenannte KlimaWildnis-Fläche dem natürlichen Klimaschutz dienen. Bezahlt hat das der Bund aus dem Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“.
Der Kaufpreis betrug 29,69 Mio. Euro, zusammen mit weiteren förderfähigen Ausgaben 31,77 Mio. Euro. Der Bund übernahm jeden Cent, die Stiftung selbst steuert nichts bei. Pro Hektar kostete der Wald damit rund 30.000 Euro (29,69 Mio. Euro geteilt durch 989,75 Hektar).
Bemerkenswert ist, wie dieser Preis zustande kam. Das Wertgutachten hatte die Stiftung selbst in Auftrag gegeben. Und selbst dieses Gutachten setzte den Marktwert niedriger an als den Preis, der am Ende gezahlt wurde. Die Bundesregierung erkannte den Aufschlag trotzdem als angemessen an. Sie verweist auf das besondere Bundesinteresse und auf „weitere Kaufangebote zu vergleichbaren Preisen“ in der Region. Um wie viel der Marktwert überschritten wurde, steht nicht in der Antwort. Die Frage, ob es Hinweise auf überhöhte Kaufpreise gebe, beantwortete die Regierung mit einem knappen „Nein“. Offene Auszahlungen gibt es laut Übersicht keine mehr.
Dass der Bund alles bezahlt, begründet das Ministerium so: Die Stiftung könne den Betrag weder aus eigenen noch aus fremden Mitteln aufbringen. Wie gründlich solche Begründungen geprüft werden, zeigt ein Fall aus Baden-Württemberg. Bei Rottenburg am Neckar kaufte die Stadt gut 51 Hektar Wald, ebenfalls über dem Gutachterwert und ebenfalls voll vom Bund bezahlt. Ihre Begründung stimmt Wort für Wort mit der aus Stolberg überein. Sie lobt sogar die „äußerst seltene Gelegenheit“, mit einem einzigen Kauf „rd. 990 ha zusammenhängende Wildnis“ zu schaffen. In Rottenburg geht es allerdings nur um rund ein Zwanzigstel dieser Fläche.
Kritik
Wer mit Steuergeld Wald kauft, sollte höchstens den Marktwert zahlen, ermittelt von einem Gutachter, den nicht der Käufer bestellt hat. In Stolberg lag der Preis sogar über dem Wert aus dem Gutachten der Stiftung, und der Bund übernahm die Rechnung trotzdem vollständig. Wenn der Käufer keinen Euro selbst zahlt, hat er wenig Grund, hart zu verhandeln. Ein Eigenanteil und eine unabhängige Prüfung des Preises hätten die Steuerzahler um mindestens 1,59 Mio. Euro entlastet.
Drucksache 21/7344: Antwort auf die Kleine Anfrage - Drucksache 21/6838 - Steuerfinanzierte Flächenerwerbe durch nichtstaatliche Naturschutzträger aus Mitteln des Aktionsprogramms "Natürlicher Klimaschutz" und des Klima- und Transformationsfonds, Antworten auf Kleine Anfragen, 24. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.