Staatsbilanz

Bund/Forschung/Folgekosten

Ministerium zahlt Zukunftsmuseum fast allein

Das Forschungsministerium zahlt für das Berliner Zukunftsmuseum Futurium 16,6 Mio. Euro im Jahr, 5 Mio. mehr als geplant, weil Sponsoren fehlen

Was ist passiert?

Wer in Berlin wissen will, wie die Welt von morgen aussehen könnte, geht ins Futurium. Das Ausstellungs- und Kommunikationszentrum zu Zukunftsvisionen hat 2019 in einem eigens dafür errichteten Neubau eröffnet. Betrieben wird es von einer gemeinnützigen GmbH, die das Bundesforschungsministerium 2014 mit anderen Gesellschaftern gegründet hat. Das Gebäude hat die Gesellschaft bis 2047 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben angemietet.

Die Finanzierung war als Gemeinschaftswerk gedacht. Das Ministerium sollte 62 Prozent der Ausgaben tragen, für 2023 wären das etwa 11,6 Mio. Euro gewesen. Den Rest sollten 22 weitere Gesellschafter, Eintrittsgelder und sonstige Erlöse aufbringen. Fest eingeplant waren 15 Unternehmen und Stiftungen mit eigenem Geld.

Daraus wurde nichts. Mehr als sechs private Geldgeber hatte das Futurium nie, heute sind es noch drei. Dazu kommen neun Wissenschaftseinrichtungen, die vom Bund gefördert werden und ihre Beiträge größtenteils aus eben diesen Bundesmitteln zahlen. Das Ministerium selbst trug 2023 rund 89 Prozent, also 16,6 Mio. Euro. Das sind 5 Mio. Euro mehr als vorgesehen, jedes Jahr. Bleibt es dabei, kommen bis zum Mietende weit über 100 Mio. Euro zusammen.

Eintritt kostet die Dauerausstellung bis heute nicht, obwohl laut Ministerium jährlich mehr als 700.000 Menschen kommen. Rechnerisch steuert das Ministerium damit pro Besuch rund 24 Euro bei (16,6 Mio. Euro geteilt durch 700.000). Der Aufsichtsrat hat die Eintrittsfreiheit trotzdem bis 2028 verlängert, damit vor allem Familien ohne finanzielle Hürde über die Zukunft nachdenken können. Das Ministerium hält die ursprüngliche Finanzierungsplanung inzwischen schlicht für nicht mehr relevant.

Auch im Inneren ist die Zukunft noch nicht ganz angekommen. Ein Aktenplan fehlte, und auf den Laufwerken lagen rund 2.500 Dateien mit Daten von etwa 1.500 Personen, manche davon hätten schon seit 2015 gelöscht werden müssen.

Kritik

Ein Finanzierungskonzept, das auf 15 private Geldgeber setzt und bei drei landet, ist gescheitert, und das hätte das Ministerium längst erkennen müssen. Stattdessen gleicht es die Lücke Jahr für Jahr mit Steuergeld aus und erklärt die eigene Planung für erledigt. Wer jährlich 700.000 Besucher hat, kann einen moderaten, sozial gestaffelten Eintritt verlangen und muss seine Ausgaben an die tatsächlichen Einnahmen anpassen. Ein Mietvertrag bis 2047 darf kein Freibrief für weitere Millionen sein.

Bemerkungen 2025: Finanzierungskonzept für das Futurium gescheitert: BMFTR muss endlich gegensteuern (Nr. 17), Bundesrechnungshof, 10. Dezember 2025. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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