Bund fördert Computerspiele ins Blaue
Der Bund will 2027 rund 124 Millionen Euro für Computerspiele ausgeben statt 26 Millionen 2025, weiß aber nicht, ob sie sich verkaufen
Was ist passiert?
Seit 2019 gibt der Bund Geld für die Entwicklung von Computerspielen. Unternehmen erhalten Zuschüsse für Prototypen und für die Produktion fertiger Spiele, bei der Produktion bis zur Hälfte der Entwicklungskosten. Die Bundesregierung sieht in der Branche einen Impulsgeber für die digitale Wirtschaft, Fachkräfte aus dem Game-Design seien auch anderswo gefragt. Bis 2023 flossen rund 137,7 Mio. Euro an 581 Vorhaben, im Schnitt also gut 237.000 Euro je Vorhaben (137,7 Mio. Euro geteilt durch 581).
Was aus dem Geld geworden ist, weiß der Bund allerdings kaum. Auf eine Kleine Anfrage antwortete die Regierung im September 2026, ob ein gefördertes Spiel überhaupt erschienen sei, werde nur im Einzelfall geprüft. Zu Vertriebsplattformen, verkauften Exemplaren und Umsätzen lägen „keine Erkenntnisse“ vor. Was nach Projektende passiere, sei „zuwendungsrechtlich nicht relevant“. Schon Anfang 2025 hatte die Regierung von 174 laufenden Vorhaben nur „mindestens 39“ veröffentlichte Spiele nennen können. Eine Erfolgskontrolle gibt es erst seit 2025, sechs Jahre nach dem Start.
Der Bundesrechnungshof hatte empfohlen, die Hilfe als bedingt rückzahlbare Darlehen zu vergeben. Das Ministerium entschied sich 2024 dagegen und bleibt bei Zuschüssen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Bei einem Erfolg profitiere der Staat ohnehin über höhere Steuern. Wie oft dieser Erfolg eintritt, kann freilich niemand sagen, solange keiner nachzählt.
Das Budget soll trotzdem kräftig wachsen. 2025 flossen tatsächlich 26,4 Mio. Euro ab. Für 2027 sind im Titel für Games-Förderung, Games-Strategie und Computerspielpreis 123,8 Mio. Euro veranschlagt, rund das 4,7-Fache (123,8 geteilt durch 26,4). Hinzu kommen Verpflichtungsermächtigungen von 171,1 Mio. Euro, die bis 2032 fällig werden sollen. Der Haushalt 2027 war zum Zeitpunkt der Antwort noch nicht beschlossen.
Kritik
Wer seit Jahren Millionen an Spielestudios verteilt, ohne zu wissen, ob daraus ein verkauftes Spiel wird, fördert nicht die Wirtschaft, sondern verschenkt Geld. Die Mittel unter diesen Umständen fast zu verfünffachen, ist nicht zu rechtfertigen. Bevor der Etat wächst, müssen Veröffentlichung, Absatz und Umsatz jedes geförderten Spiels erfasst werden. Zudem gehört die Förderung auf bedingt rückzahlbare Darlehen umgestellt, damit erfolgreiche Titel das Steuergeld zurückbringen.
Drucksache 21/8101: Antwort auf die Kleine Anfrage - Drucksache 21/7849 - Ergebnisse der Games-Förderung des Bundes - Veröffentlichung, Vertrieb und Absatz der geförderten Computerspiele, Antworten auf Kleine Anfragen, 22. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.