Chemnitz: 145.000 Euro für offene Museen
Chemnitz streicht den geplanten freien Museumstag, das kostet 145.000 Euro, doch nur 30.500 Euro kommen über Eintritte wieder herein
Was ist passiert?
Die Kunstsammlungen Chemnitz betreiben sechs Häuser, darunter das Museum Gunzenhauser und das Schloßbergmuseum. Um den Haushalt 2025/2026 zu entlasten, beschloss der Stadtrat im März 2025 einen zusätzlichen Schließtag für alle Museen ab 1. Januar 2026. Er sollte auf den Dienstag fallen, in zwei Häusern auf den Donnerstag.
Die Sparmaßnahme hielt nicht lange. Schon im November 2025 hob der Stadtrat den Schließtag für Januar 2026 wieder auf, bevor er je gegolten hatte. Hintergrund waren die Besucherrekorde, die mehrere Häuser im Jahr der Kulturhauptstadt Europas verbucht hatten. Nun soll der Stadtrat am 28. Januar 2026 den Schließtag auch für Juni bis Dezember 2026 aussetzen. Von der Sparmaßnahme blieben damit rechnerisch nur die Monate Februar bis Mai übrig.
Das kostet Geld: Die zusätzlichen Öffnungstage verursachen Aufwendungen von 145.000 Euro. Auf die sieben Monate verteilt sind das rund 20.700 Euro im Monat (145.000 geteilt durch 7). Die Verwaltung rechnet mit 30.500 Euro Mehreinnahmen. Das ist gut ein Fünftel des Aufwands (30.500 geteilt durch 145.000, rund 21 Prozent). Weil diese Einnahmen erst nach tatsächlicher Realisierung vorliegen, werden sie bei der Deckung nicht berücksichtigt. Stattdessen sollen Mehrerträge aus Zuweisungen des Freistaats Sachsen nach dem Kulturraumgesetz die vollen 145.000 Euro tragen.
Die Begründung liest sich wie ein Veranstaltungskalender: eine Ausstellung zu Käthe Kollwitz, Medienkunst für ein jüngeres Publikum, Mattheuer und „Mythos“ im Herbst, Essen in der Kunst im Museum Gunzenhauser, 160 Jahre Feuerwehr samt dem Wohnzimmer von Jutta Müller im Schloßbergmuseum. Wegen des Bekanntheitsgrades von Käthe Kollwitz sei „mit einem großen Zuspruch zu rechnen“. Eine Besucherzahl, die den Mehraufwand rechtfertigen soll, nennt die Vorlage nicht.
Kritik
Eine Sparmaßnahme, die nach acht Monaten wieder einkassiert wird, bevor sie in Kraft getreten ist, war offenbar nicht zu Ende gedacht. Bei einem Aufwand von 145.000 Euro und erwarteten Einnahmen von nur 30.500 Euro bleibt eine Lücke von 114.500 Euro, die als Hoffnung auf großen Zuspruch daherkommt. Auch Zuweisungen des Freistaats sind Steuergeld, und sie lassen sich nicht beliebig für zusätzliche Öffnungstage ausgeben. Wer einen Haushalt konsolidieren will, muss eine Kürzung entweder durchhalten oder gar nicht erst beschließen.
B-030/2026: Aufhebung der Maßnahme 31 des Beschlusses B-283/2024 für die Monate Juni bis Dezember 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Chemnitz, 28. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.