Staatsbilanz

Stadt/Dortmund/Kostensteigerung

19,7 Millionen mehr für Gartenschau im Ruhrgebiet

Für die Gartenausstellung in Dortmund, Duisburg und Gelsenkirchen sollen 9 bis 10 Millionen Euro aus Tickets kommen, die noch niemand berechnet hat

Was ist passiert?

Im April 2027 soll im Ruhrgebiet die Internationale Gartenausstellung beginnen, mit drei eintrittspflichtigen Zukunftsgärten in Dortmund, Duisburg und Gelsenkirchen. Durchführen soll sie die IGA 2027 Ruhrgebiet gGmbH, an der die Stadt Dortmund mit 13,1 Prozent beteiligt ist. Eröffnet werden soll am 23. April 2027.

Ursprünglich war das Geld klar verteilt: 83,8 Mio. Euro Gesamtbudget, davon 48 Mio. Euro aus eigenen Einnahmen und 35,8 Mio. Euro von den Gesellschaftern, darin 5 Mio. Euro Risikovorsorge. Schon 2022/23 waren Kostensteigerungen von 8 bis 14 Mio. Euro gemeldet worden. Zusätzliches Geld lehnten die Gesellschafter damals ab. Im September 2025 folgte dann die Zahl 19,7 Mio. Euro Mehrbedarf.

Die Geschäftsführung räumte dabei einen Planungswiderspruch ein: Die Infrastruktur mit Eingängen, Kassen und Toiletten ist für rund 800.000 Besuche je Standort ausgelegt. Die Inhalte entstehen aber auf dem Niveau von Bundesgartenschauen, die 2,4 und 3,6 Mio. Besuche hatten.

Die Verwaltungen der Gesellschafter einigten sich auf eine „qualitative Prioritätensetzung“. Die 5 Mio. Euro Risikovorsorge werden aufgebraucht. Dazu wird die Besucherprognose von 2,6 auf 3,1 Mio. angehoben, was 9 bis 10 Mio. Euro Ticketerlöse bringen soll. Die genaue Berechnung soll erst „in ein bis zwei Monaten“ folgen, also nach der Vorlage. Rechnet man 9 bis 10 Mio. Euro auf 500.000 zusätzliche Besuche um, muss jeder von ihnen 18 bis 20 Euro bringen. Die Tageskarte kostet 29,50 Euro, Kinder bis 14 Jahre kommen kostenlos hinein.

Auch dann bleibt eine Lücke von 4 bis 5 Mio. Euro, die durch Einschnitte geschlossen werden soll. Für Dortmund steigen die Zuschüsse von 2026 bis 2028 von 1,53 auf 2,62 Mio. Euro, also um rund 71 Prozent (1,09 Mio. Euro Differenz). Hauptgrund ist ein erstmals eingeplanter möglicher Verlustausgleich von 1,08 Mio. Euro für 2028. Die Mehraufwendungen lassen sich laut Vorlage nicht budgetneutral ausgleichen. Eine Rückstellung für das Ticketrisiko soll erst für 2027 geprüft werden.

Kritik

Wer 10 Mio. Euro Mehreinnahmen als Finanzierung einplant, ohne sie berechnet zu haben, plant mit einer Hoffnung statt mit einer Einnahme. Die Besucherzahl wurde offenbar passend zu einer Infrastruktur hochgerechnet, die für ganz andere Dimensionen gebaut wird. Dass die Risikovorsorge damit für Unvorhergesehenes nicht mehr zur Verfügung steht, macht das Vorhaben fragiler. Bleiben die Gäste aus, zahlt am Ende die Stadt, und dafür ist im Haushalt keine Deckung vorgesehen.

00495-25: IGA 2027 Finanzierung der Durchführungsgesellschaft IGA gGmbH, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 28. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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