Drei Haltestellen: 633.000 Euro mehr
Dortmund baut an der Stadtbahn U47 drei Haltestellen barrierefrei um, doch weil nur eine Firma bot, steigen die Kosten von 1,27 auf 1,9 Millionen Euro
Was ist passiert?
An der Stadtbahnlinie U47 liegen die oberirdischen Haltestellen Obernette, Buschstraße und Parsevalstraße. Alle drei sollen vollständig barrierefrei werden. Besonders eilig ist das an der Parsevalstraße: Sie soll bei der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 eine zentrale Rolle für die An- und Abreise der Besucher spielen.
Im Oktober 2025 beschloss der Rat dafür 1.270.000 Euro, also rund 423.000 Euro je Haltestelle (1.270.000 : 3). Dann kam die Ausschreibung. Trotz nach Angaben der Stadt ausreichend angesprochener Bieter ging nur ein einziges wertbares Angebot ein. Es lag 51,6 Prozent über der Kostenschätzung. Eine neue Ausschreibung hätte einige Monate gedauert. Das hielt die Verwaltung wegen des fest terminierten IGA-Starts nicht für vertretbar, denn die Haltestellen wären dann nicht rechtzeitig fertig geworden. Die Angemessenheit des Preises sei geprüft worden, heißt es.
Die Folge: Der Rat soll die Gesamtinvestition um 633.000 Euro auf 1.903.000 Euro anheben. Das sind rund 211.000 Euro mehr je Haltestelle (633.000 : 3) und knapp die Hälfte obendrauf (633.000 : 1.270.000 ergibt rund 50 Prozent). Je Haltestelle kostet der Umbau nun etwa 634.000 Euro (1.903.000 : 3).
Eine Förderung von 90 Prozent ist beantragt. Bei voller Anerkennung bliebe ein städtischer Eigenanteil von 190.300 Euro. Bezahlt werden soll aus dem Budget des Tiefbauamts, indem andere Vorhaben zurückgestellt werden. Genannt werden im Text unter anderem eine Brücke an der Lange Straße, der barrierefreie Ausbau der Haltestelle Westerfilde und Überdachungen für Haltestellenzugänge. Zudem sollen Verpflichtungsermächtigungen von 520.397,04 Euro in das Jahr 2028 verlagert werden. Der Rat soll am 12. November 2026 entscheiden.
Kritik
Wer bei einem unverrückbaren Eröffnungstermin ausschreibt, ohne Zeit für eine zweite Runde einzuplanen, liefert sich dem einzigen Bieter aus. Ein Angebot mit gut 50 Prozent Aufschlag zeigt, dass Wettbewerb gefehlt hat, und genau der drückt normalerweise den Preis. Die Stadt hätte den Zeitpuffer für eine Wiederholung von Anfang an einplanen oder die Leistung so zuschneiden müssen, dass sich mehrere Firmen bewerben. Dass dafür andere Projekte warten müssen, ist keine Einsparung, sondern verschiebt nur die Rechnung.
02856-26: Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit im Stadtbahnnetz der Stadt Dortmund; Stadtbahnhaltestellen Obernette, Buschstraße und Parsevalstraße an der Linie U47 (2. Bauabschnitt), Beschlusserhöhung, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 14. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.