6 Millionen Euro für private Wachleute
Dortmund will von 2027 bis 2030 jährlich 1,5 Millionen Euro für Wachleute in der Innenstadt zahlen, fast 1,7-mal so viel wie fürs Nachtcafé
Was ist passiert?
Seit dem Ende der Corona-Pandemie hat sich das Bild vieler Innenstädte nach Darstellung der Stadt vor allem durch die Droge Crack verschlechtert. Dortmund setzte im September 2023 einen Sonderstab „Ordnung und Stadtleben“ ein und baut seither ein Konzept aus Drogenhilfe, Übernachtungsangeboten und Ordnungsmaßnahmen auf. Am Grafenhof gibt es einen Drogenkonsumraum, der laut Stadt an seine Kapazitätsgrenze stößt. Gegenüber betreibt sie seit Februar 2025 eine eingezäunte Entlastungsfläche, auf der während der gesamten Öffnungszeiten zwei Sicherheitskräfte anwesend sind. Das kostet 255.000 Euro im Jahr.
Nun soll der Rat am 12. November 2026 die zweite Fortschreibung des Konzepts beschließen. Darin steckt die „Einrichtung eines privaten Sicherheitsdienstes“ samt Unterstützung durch die Dortmund-Guides mit ihrem Awarenesskonzept. Der Finanzteil weist dafür in einer einzigen Zeile 2027 bis 2030 jeweils 1,5 Mio. Euro aus, zusammen also 6 Mio. Euro (4 Jahre mal 1,5 Mio. Euro). Das sind gut 4.100 Euro pro Tag (1,5 Mio. Euro geteilt durch 365).
Die Größenordnung wird im Vergleich deutlich: Im Jahr 2027 ist die Sicherheitszeile mit rund einem Drittel der veranschlagten 4,63 Mio. Euro der größte Einzelposten (1,5 Mio. geteilt durch 4.628.200 Euro, etwa 32 Prozent). Das Nachtcafé, das nachts von 70 bis 90 verschiedenen Menschen genutzt wird, kostet 887.400 Euro. Der Sicherheitsposten ist damit fast 1,7-mal so teuer. Fördermittel gibt es nicht.
Die Begründung der Stadt lautet, man wolle Sicherheit und Ordnung stärken und die Innenstadt als sicheren, attraktiven Ort erhalten. Zugleich sollen 24,08 neue Planstellen für Kontakt- und Interventionsteams entstehen, die in der Innenstadt Konflikte entschärfen sollen. Der Kommunale Ordnungsdienst ist ebenfalls im Einsatz.
Kritik
Rund ein Drittel der Jahresmittel für private Wachleute und Awarenessteams zu binden, ist bei knappen Kassen nicht zu rechtfertigen. Die Stadt baut zugleich 24,08 eigene Stellen auf, die in der Innenstadt Konflikte entschärfen sollen, und hat bereits einen Ordnungsdienst. Präsenz auf der Straße zu bezahlen, löst die Ursachen nicht, während Angebote wie das Nachtcafé mit deutlich weniger Geld auskommen. Sinnvoll wäre gewesen, zuerst die eigenen Teams aufzubauen, ihre Wirkung abzuwarten und einen privaten Dienst nur befristet und mit klarer Obergrenze dazuzubuchen.
02028-26: Sonderstab Ordnung und Stadtleben: 2. Fortschreibung des Konzeptes zum Umgang mit den Auswirkungen von Drogenkonsum und Obdachlosigkeit auf die Stadt und die Stadtgesellschaft, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 7. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.