3,8 Millionen Euro für neue Büromöbel
Dortmund stattet ein gekauftes Bürogebäude für 3,8 Millionen Euro neu aus, davon über 2 Millionen für mindestens 2.830 günstigere Möbelteile
Was ist passiert?
Zum Jahreswechsel 2025/26 hat die Stadt ein Bürogebäude in der Rheinischen Straße 1 übernommen, in dem zuvor eine Krankenkasse saß. In der zweiten Hälfte des Jahres 2026 sollen dort das Dortmunder Systemhaus, der IT-Dienstleister der Verwaltung, und ein Teil des Personal- und Organisationsamtes einziehen. Dass Einrichtung und Möblierung zusätzlich Geld kosten würden, hatte die Verwaltung dem Rat schon beim Beschluss über den Kauf angekündigt. Eine Summe nannte sie damals nicht.
Jetzt soll der Rat überplanmäßig rund 2,77 Mio. Euro bewilligen (1.239.300 + 160.800 + 1.368.721 Euro). Der Gesamtbedarf liegt bei etwa 3,8 Mio. Euro. Den größten Posten machen Anschaffungen zwischen 250,01 und 800 Euro je Stück aus: 863.800 Euro beim Personalamt und 1,4 Mio. Euro beim Systemhaus, zusammen 2.263.800 Euro oder knapp 60 Prozent des Gesamtbedarfs. Bei höchstens 800 Euro je Stück sind das rechnerisch mindestens 2.830 Teile (2.263.800 : 800).
Die Verwaltung begründet die Neubeschaffung damit, dass die Möbel des Personalamts seit 2003 in Gebrauch seien und ein Umzug in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zum Neukauf stünde. Brauchbares sei bereits abgezogen, zudem dürfe man Möbel der früheren Mieterin übernehmen. Gearbeitet werden soll nach dem Modell „Arbeitsplatz der Zukunft“ mit Desk-Sharing in großzügig geschnittenen Räumen, die Schallschutz verlangen. Das klingt schlüssig, nur wird gerade dieser Posten bislang bloß überschlägig geschätzt. Die eigentliche Akustikplanung soll erst nach Einzug und Möblierung erfolgen. Auch die Preise stammen aus dem alten Rahmenvertrag, der neue gilt erst seit 1. März 2026.
Gedeckt werden soll vor allem aus der Investitionspauschale des Landes. Zusätzlich sollen 375.500 Euro aus dem Ansatz für die Auflösung der Papierakten kommen (1,5 Mio. Euro, rund ein Viertel davon) sowie 160.800 Euro aus dem zentralen PKW-Pool, weil Fahrzeugkäufe verschoben wurden. Fördermittel gibt es keine.
Kritik
Wer ein Gebäude kauft und weiß, dass Einrichtung und Schallschutz teuer werden, muss diese Kosten vor dem Einzug belastbar beziffern und nicht erst danach. Die Akustik hätte vor der Möblierung geplant werden müssen, denn sie entscheidet darüber, was im Raum überhaupt gebraucht wird. Ein Desk-Sharing-Modell soll Fläche und Ausstattung sparen. Dass es dennoch auf Tausende Neuanschaffungen hinausläuft, passt dazu schlecht. Ein Modellprojekt für die Verwaltung sollte zeigen, dass es mit weniger Neukauf auskommt.
01058-26: Mehrbedarf gem. § 83 GO NRW für die Ersteinrichtung der Immobilie Rheinische Straße 1, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 12. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.