50.000 Euro für bemalte Bahntunnel im Wald
Dortmund lässt im Naturschutzgebiet Rahmer Wald drei Tunnel bunt bemalen, obwohl Naturschutz-Zustimmung und Haftung noch fehlen; 26.000 Euro zahlt die Stadt
Was ist passiert?
Der Rahmer Wald liegt im Dortmunder Nordwesten und ist Naturschutzgebiet. Seit einer Änderung des Landschaftsplans reicht es bis an den Siedlungsrand von Westerfilde, weshalb dort nur noch eingeschränkt gebaut und gestaltet werden darf. Die Stadt hat dafür ein Konzept mit Gestaltungselementen entwickelt: Eingangssignets, Piktogramme, Sitzgelegenheiten aus Baumstämmen und als Herzstück einen Naturlehrpfad. Das soll Besucher lenken und für den Schutz des Waldes sensibilisieren.
Zuerst umgesetzt werden soll aber etwas anderes. Drei S-Bahn-Unterführungen im Wald sollen farbig neu gestaltet werden, nach der Beschlussvorlage vom 5.3.2026 für insgesamt 50.000 Euro. Die Stadt nennt das ein „besonders sichtbares und kurzfristig umsetzbares Element“. Es soll „unmittelbar nach dem Beschluss“ losgehen.
Das Konzept als Ganzes steht dagegen noch unter dem Vorbehalt des Naturschutzbeirats. Die Untere Naturschutzbehörde macht ihre Zustimmung davon abhängig, dass Trägerschaft und Haftung für sämtliche Gestaltungselemente früh geklärt werden. Die Unterführungen zählt die Vorlage ausdrücklich zu diesen Elementen. Das Motiv wählt eine Jury aus den beiden Bezirksbürgermeistern und einer Abteilungsleiterin des Amtes. Ein weiterer Beschluss ist laut Vorlage nicht nötig.
Die Kosten sind ungleich verteilt. Für die zwei Unterführungen in Westerfilde sind 30.000 Euro angesetzt, im Schnitt 15.000 Euro je Unterführung. 24.000 Euro davon trägt die Förderung, die Stadt zahlt 6.000 Euro, also 3.000 Euro je Unterführung. Die Unterführung an der Spechtstraße in Huckarde kostet allein 20.000 Euro und wird vollständig aus dem Etat der Stadt bezahlt. Das ist ein Drittel mehr als der Schnitt der beiden anderen (20.000 : 15.000) und beim städtischen Anteil rund das Siebenfache (20.000 : 3.000). Insgesamt zahlt die Stadt 26.000 der 50.000 Euro selbst.
Kritik
Farbe an Betonwänden ist schnell bestellt, aber die Regeln des Naturschutzgebiets, die Haftung und die Pflege des Gesamtkonzepts sind noch nicht geklärt. Wer das Sichtbare vorzieht und das Ungeklärte offen lässt, riskiert Geld für eine Gestaltung, die zum späteren Konzept womöglich nicht passt. Besonders schwer zu erklären sind die 20.000 Euro für die Spechtstraße, die allein die Stadt trägt und die deutlich über dem Schnitt der anderen beiden Unterführungen liegen. Man hätte zuerst die Zustimmung des Naturschutzbeirats und die Haftungsfrage einholen und die Bemalung danach als Teil des Lehrpfads beschließen sollen.
01398-26: Projekt "Gestaltungselemente Rahmer Wald": Grundsatzbeschluss zur Umsetzung des Konzepts und Beschluss zur farblichen Neugestaltung der S-Bahn-Unterführungen im Rahmer Wald., Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 29. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.