Dortmunder Zoo: Bärenanlage fast dreimal so teuer
Die Stadt zahlt für die Bärenanlage im Zoo 1,13 Millionen statt 300.000 Euro, die Gesamtkosten steigen von 480.000 auf 1,4 Millionen
Was ist passiert?
Der Zoo Dortmund wird seit einem Ratsbeschluss von 2016 nach dem „Zukunftskonzept Zoo 2023“ umgebaut. Damals war dafür eine Investitionssumme von 31 Mio. Euro vorgesehen. Ein Teil des Konzepts liegt allerdings gar nicht in städtischer Hand: Die Bärenanlage erweitert und modernisiert seit 2019 der Förderverein Kinder und Zoo Dortmund e.V. Die städtischen Sport- und Freizeitbetriebe (SFB) haben sich im Bauerlaubnisvertrag verpflichtet, die Sicherheitstechnik zu bezahlen und außerdem für „unvorhersehbare Mehrkosten“ einzustehen.
Diese Klausel kommt die Stadt nun teuer zu stehen. Fassade, Zaun, sanierter Altbau und Anbau sind fertig. Übrig ist die Außenanlage, und die kann der Verein nach eigener Auskunft weder personell noch finanziell selbst abwickeln. Die Kostenberechnung seines zweiten Architekten kommt auf rund 1,4 Mio. Euro. Der Verein will davon etwa 270.000 Euro tragen, das sind knapp 19 Prozent (270.000 : 1.400.000). Den Rest übernehmen die SFB. Ihr Anteil steigt von 300.000 Euro auf 1,13 Mio. Euro, also um 830.000 Euro und auf fast das Vierfache (1,13 : 0,3 ≈ 3,8). Die Gesamtkosten wachsen von 480.000 Euro auf 1,4 Mio. Euro.
Die Verwaltung nennt als Gründe Preissteigerungen infolge des Ukraine-Konflikts, allgemeine Baupreissteigerungen und Teilgewerke, die der Verein bisher gar nicht eingeplant hatte. Um zu sparen, modellieren Mitarbeiter des Gärtnerischen Betriebs die Außenanlage teilweise selbst.
Die Vorlage betont, der städtische Haushalt werde nicht zusätzlich belastet, weil das Geld aus dem Budget des Zukunftskonzepts komme. Das stimmt, allerdings fehlt es dann anderswo. Nashornhaus, Tropenhaus und Zooforum, 2016 mit zusammen 4,2 Mio. Euro veranschlagt, sind bereits aus Kostengründen zurückgestellt. Das Budget des Zukunftskonzepts war zuvor schon um 15,795 Mio. Euro auf rund 46,8 Mio. Euro angehoben worden (31 + 15,795). Der Rat soll die Erhöhung am 12. November 2026 beschließen.
Kritik
Wer einem Verein den Bau überlässt, aber vertraglich für alle „unvorhersehbaren“ Mehrkosten haftet, stellt einen Blankoscheck aus. Teilgewerke, die in der Planung schlicht fehlten, sind keine Überraschung, sondern ein Planungsmangel. Die Stadt hätte vor Baubeginn eine vollständige Planung samt Außenanlage und einen Nachweis verlangen müssen, dass der Verein seinen Anteil tragen kann. Hätte sie zudem die Haftung für Mehrkosten gedeckelt, müsste jetzt nicht der Zoo selbst bezahlen, indem andere Projekte zurückstehen.
01946-26: Achter Sachstandsbericht zum Zukunftskonzept Zoo Dortmund 2023, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 6. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.