Alter Fußballplatz: Kosten verdoppelt
Dortmund will in der Schützenstraße einen alten Fußballplatz für 1,7 Millionen statt der beschlossenen 835.000 Euro neu herrichten, weil Wege, Zaun und Abfluss vergessen wurden
Was ist passiert?
Die Sportanlage Schützenstraße in Dortmund stammt aus den 1960er Jahren. Im Jahr 2019 wurde dort der Trainings- und Spielbetrieb eingestellt, denn aus sportfachlicher Sicht gab es keinen Bedarf mehr. Nun soll der Platz wieder in Betrieb gehen, weil die Sportanlage Eberstraße dem geplanten Neubau des Nordbades weichen muss und drei Vereine (FC Roj, SC Dortmund 97/08 und Fortuna 66) eine neue Heimat brauchen.
Der Rat beschloss die Reaktivierung am 18.12.2025 mit einem Investitionsvolumen von 835.000 Euro. Dieser Betrag beruhte nach den Worten der Verwaltung auf einem „groben Kostenrahmen“, der sich neben der Flutlichtanlage ausschließlich auf die reine Spielfläche bezog. Das externe Planungsbüro, das schon am 20.11.2025 und damit vier Wochen vor dem Ratsbeschluss beauftragt worden war, rechnete anschließend nach. Hinzu kamen nach Auswertung eines Bodengutachtens unter anderem gepflasterte Wege, eine Zaunanlage, die Einfriedung des Spielfeldes und eine neue Drainage mit Anschluss ans Kanalnetz, dazu ein Sicherheitszuschlag und eine erwartete Baukostensteigerung. Das Ergebnis: 1,7 Mio. Euro, davon 1,595 Mio. Euro für den Kunstrasenplatz und 105.000 Euro für die LED-Flutlichtanlage.
Die Mehrkosten betragen 865.000 Euro (1.700.000 minus 835.000). Der Platz kostet damit gut das Doppelte des ersten Betrags. Die Finanzierung soll so aussehen: Der Bund hat aus dem Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ 742.500 Euro in Aussicht gestellt, die Stadt steuert weitere 122.500 Euro aus der Sportpauschale bei. Einen Bewilligungsbescheid gab es zum Stand der Vorlage noch nicht. Er setzt aber die Eigenmittelzusage der Stadt voraus, weshalb der Rat am 1.10.2026 entscheiden sollte. Dies mache laut Vorlage eine Abweichung von der üblichen Gremienreihenfolge nötig.
Die Verwaltung betont, für den städtischen Haushalt entstehe keine Belastung. Die Bewirtschaftung mit durchschnittlich rund 47.000 Euro im Jahr werde durch den entfallenden Betriebskostenzuschuss an den Verein ausgeglichen. Bezahlt wird freilich trotzdem, nur aus anderen Kassen: Die Abschreibung von 85.000 Euro jährlich (1,7 Mio. Euro auf 20 Jahre) wird über Sonderposten gedeckt.
Kritik
Ein Kostenrahmen, der Entwässerung, Wege und Einfriedung weglässt, ist für einen Sportplatz kein belastbarer Rahmen, sondern ein Teilbetrag. Dass die Kosten sich nach der gründlichen Planung verdoppelten, hätte vor dem Ratsbeschluss feststehen können, zumal das Planungsbüro bereits beauftragt war. Die Stadt hätte die Kostenberechnung abwarten müssen, bevor sie Geld beschließt und Vereinen einen Ersatzplatz verspricht. Auch Bundesmittel sind Steuergeld, und der Hinweis auf eine fehlende Belastung des städtischen Haushalts macht aus 865.000 Euro Mehrkosten keine Kleinigkeit.
02467-26: Kostenerhöhung zur Reaktivierung der Sportanlage Schützenstraße als Ersatz für die Sportanlage Eberstraße, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 8. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.