Staatsbilanz

Stadt/Dortmund/Fehlplanung

Dortmund: Ehemaliges Lager nicht geprüft

Beim Messe-Neubau in Dortmund fehlte trotz Hinweis seit 2021 eine Bodenprüfung, nun drohen 300.000 Euro Mehrkosten, im Extremfall 1,8 Millionen

Was ist passiert?

Die Westfalenhallen sind das große Messe- und Veranstaltungsgelände der Stadt. Sie werden derzeit um neue Südhallen erweitert, das Kostenziel liegt bei 215 Mio. Euro netto. Sollte der Bau teurer werden, fällt das Geld im Zweifel auf den städtischen Haushalt zurück.

Dass auf dem Gelände etwas im Boden liegen könnte, war nicht neu. Hier stand das Kriegsgefangenenlager Stalag VI D, in dem zeitweise 70.000 Menschen gleichzeitig interniert waren. Die Untere Denkmalbehörde wies die Westfalenhallen nach eigener Chronologie seit Juli 2021 auf zu erwartende Bodendenkmäler hin. Im Februar 2022 war ein Kick-off-Termin im Gespräch, er fand nicht statt, danach meldeten sich die Westfalenhallen nicht mehr. Erst das Grabungskonzept vom Dezember 2025 hielt ausdrücklich fest, dass mit Bodendenkmälern zu rechnen sei. Eine denkmalrechtliche Vorprüfung gab es zuvor nicht.

Dann kamen die Funde: Patronenhülsen, Arzneifläschchen, Lederschuhe, Münzen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe stufte die Stelle als Bodendenkmal von internationaler Bedeutung ein. Schon am 19. Mai 2026 vermerkten die Westfalenhallen, dass sie einen Erhalt am Fundort und Ausstellungsflächen im Neubau ablehnen. Denkmalbelange würden vor allem nach Bauzeit und Mehrkosten bewertet. Die Eile begründete die Verwaltung so: Gebaut werden könne nur im Sommer, wenige Wochen Verzug könnten das Projekt um ein ganzes Jahr zurückwerfen und den Haushalt mit zweistelligen Millionenbeträgen belasten. Dies ist die Sicht der Bauherren, und sie zählt.

Die Zahlen schwankten stark. Zunächst standen 2 Mio. Euro und zwei Jahre Verzögerung im Raum, bis die Denkmalbehörde dieses Missverständnis ausräumte. Am 5. Juni 2026 gingen die Westfalenhallen von rund drei Monaten und etwa 300.000 Euro Zusatzkosten aus, das sind bei 90 Tagen gut 3.300 Euro für jeden Tag. Im ungünstigsten Fall, so der Lenkungskreis im Mai, drohen ein Jahr Verzug und 1,8 Mio. Euro, also das Sechsfache. Diese Summe wäre nach Angaben der Westfalenhallen nicht mehr im Baubudget unterzubringen. Am 18. Juni einigte man sich mit dem Landschaftsverband, dass die Funde nicht vor Ort bleiben. Sie sollen per Publikation, Aufnahme und Film dokumentiert werden. Was eine Erinnerungsstätte kosten soll und wer sie trägt, ist offen.

Kritik

Wer ein Großprojekt auf einem bekannten Lagergelände plant, muss den Boden vor dem Baubeginn prüfen lassen. Seit 2021 lag der Hinweis auf dem Tisch, und eine Vorprüfung hätte die Funde in Zeit und Geld eingeplant, statt sie mitten im Bau zum Risiko zu machen. Stattdessen entstehen nun Mehrkosten von 300.000 Euro, im schlimmsten Fall 1,8 Mio. Euro, die ein früher Termin im Jahr 2022 vermutlich deutlich kleiner gehalten hätte. Dass ein Kick-off nicht stattfand und danach niemand nachfasste, ist ein vermeidbarer Planungsfehler auf Kosten der Stadt.

02545-26/2: Erhalt der Bodendenkmäler des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VI D an den Westfalenhallen; hier: Bericht über die Akteneinsicht gemäß § 55 GO NRW, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 9. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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