Dortmund zahlt 667.000 Euro für Wochenmärkte
Dortmunds 13 Wochenmärkte kosten 2026 rund 667.000 Euro Zuschuss, weil Händler seit 2016 nur 1,55 Euro Standmiete je Quadratmeter zahlen
Was ist passiert?
Neben dem Hansa Markt in der Innenstadt betreibt die Stadt zwölf Vorortmärkte. Zusammen sind es 13 Wochenmärkte mit 23 Marktveranstaltungen pro Woche und 187 Stammhändlern. Sie zahlen für ihre Standfläche seit dem Ratsbeschluss von 2016 unverändert 1,55 Euro je Quadratmeter und Markttag (zuzüglich Mehrwertsteuer).
Die Erhöhung wurde seither mehrfach vertagt: erst wegen eines Attraktivierungskonzepts, das lange nicht umgesetzt wurde, dann wegen der Corona-Pandemie. Das Defizit wuchs von 296.376 Euro (2022) über 384.673 Euro (2023) auf 421.692 Euro (2024). Für 2026 rechnet die Verwaltung mit rund 666.819 Euro, mehr als dem Doppelten von 2022. Den erwarteten Erlösen von 704.461 Euro stehen Kosten von 1.371.280 Euro gegenüber. Die Händler tragen damit gut die Hälfte (704.461 : 1.371.280 = 51 Prozent). Allein die Abfallentsorgung kostet 588.570 Euro, fast so viel wie alle Einnahmen zusammen. Auf die 187 Stammhändler umgelegt, schießt die Stadt rechnerisch rund 3.570 Euro je Händler zu (666.819 : 187).
Hinzu kommt der Zustand vieler Vorortmärkte. Fünf von ihnen (Aplerbeck, Brackel, Davidismarkt, Dorstfeld und Eving) unterschreiten mit weniger als zwölf Beschickern die Mindestzahl, die die Gewerbeordnung für einen Wochenmarkt verlangt. In Dorstfeld belegen die Händler im Schnitt gerade fünf Quadratmeter, das ergibt 7,75 Euro Gebühr je Markttag (5 × 1,55 Euro). Für den Davidismarkt weist die Kalkulation 0 Quadratmeter aus.
Die Verwaltung schlug vor, die Gebühr für 2026 einzufrieren und ab 2027 zwischen drei Varianten zu wählen. Kostendeckend wären 3,01 Euro, ein Plus von 94,19 Prozent. Variante 1 sieht stufenweise Erhöhungen vor, bis dauerhaft 250.000 Euro jährlich aus dem Stadthaushalt zugeschossen werden. Eine Verdoppelung würde das Vertrauen in die Attraktivierungsmaßnahmen beschädigen, so die Verwaltung. Außerdem seien Wochenmärkte Orte der Begegnung und der Demokratiebildung. Ob das auch für einen Markt mit fünf Quadratmetern Händlerfläche gilt, lässt die Vorlage offen.
Kritik
Wer eine Gebühr zehn Jahre lang nicht anfasst, darf sich über ein wachsendes Defizit nicht wundern. Die Allgemeinheit finanziert hier Stände, die sie größtenteils nie nutzt, und der Zuschuss soll nach Variante 1 sogar zur Dauereinrichtung werden. Kleine, moderate Erhöhungen schon in früheren Jahren hätten den Sprung auf 3,01 Euro vermieden. Zudem gehören die Müllkosten von 588.570 Euro und Märkte ohne Marktcharakter auf den Prüfstand, bevor Steuergeld dauerhaft zugeschossen wird.
00002-25: Satzung zur zehnten Änderung der Gebührensatzung für die Wochenmärkte der Stadt Dortmund, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 22. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.