Staatsbilanz

Stadt/Dortmund/Kostensteigerung

Freibad-Sanierung wird 13-mal so teuer

Das Freibad Hardenberg in Dortmund soll nun 11,7 Millionen Euro kosten statt der zuerst genannten 880.000 Euro für die Reparatur des Beckenrands

Was ist passiert?

Das Freibad Hardenberg gehört der Stadt, wurde 1927 gebaut und zählt zu den größten Freibädern Dortmunds. Es hat ein Hauptbecken von rund 89 mal 40 Metern, eine Doppelrutsche und ein Kinderplanschbecken. Betrieben wurde es seit 2004 von der Sportwelt Dortmund gGmbH, einer städtischen Beteiligung.

Nach der Saison 2023 schloss die Sportwelt das Bad aus Verkehrssicherungsgründen. Ein Kurzbericht vom Februar 2024 stellte akute Einsturzgefahr fest. Erst nach mehrfacher Aufforderung legte die Sportwelt im Oktober 2024 ein Betonsanierungskonzept vor, das 880.000 Euro kosten sollte, aber nur den Beckenkopf betraf. Die von den Sport- und Freizeitbetrieben (SFB) verlangte Gesamtbetrachtung ließ sie nicht erstellen. Im März 2025 kündigte die Sportwelt den Betriebsführungsvertrag teilweise, seit Juli 2025 sind wieder die SFB zuständig.

Die nun vorgelegte Machbarkeitsstudie fällt ernüchternd aus: Reparaturen allein reichen nicht, die Wassertechnik muss erneuert werden, und die Großrutsche ist zu alt. Variante 1 kostet mit Planung 11,734 Mio. Euro, Variante 2 mit neuem Edelstahlbecken 14,434 Mio. Euro. Allein der Beckenkopf schlägt in Variante 1 mit 6,12 Mio. Euro zu Buche, das ist rund das Siebenfache der 880.000 Euro (6,12 Mio. : 0,88 Mio. ≈ 7). Die Gesamtkosten liegen beim gut 13-Fachen (11,734 Mio. : 0,88 Mio. ≈ 13,3).

Dazu kommt ein neuer Parkplatz für etwa 1,5 Mio. Euro auf einem Teil der Liegefläche. Dadurch sinkt die Besucherkapazität um 25 Prozent auf rund 3.500 Gäste. Die Verwaltung verweist auf den Ärger der Anwohner an heißen Tagen. Der Gutachter stellt jedoch fest, dass schon heute 330 Stellplätze vorhanden sind, empfohlen sind höchstens 160.

Die Studie beruht nur auf einer Sichtbegehung, Bohrkerne gab es nicht. Der Gutachter empfiehlt sie selbst. Die Planung von rund 400.000 Euro sollen die SFB vorfinanzieren. Selbst bei der möglichen Bundesförderung von 45 Prozent bliebe in Variante 1 ein Eigenanteil von gut 6,4 Mio. Euro (45 Prozent von 11,734 Mio. = 5,28 Mio.; Rest 6,45 Mio.).

Kritik

Weil über Jahre nur der Beckenkopf betrachtet wurde, stand zunächst ein Bruchteil der echten Kosten im Raum. Die Gesamtbetrachtung hätte spätestens nach der Schließung 2023 erfolgen müssen, nicht erst durch einen neuen Betreiber im Jahr 2025. Ein Parkplatz für 1,5 Mio. Euro, der Liegefläche kostet, obwohl schon doppelt so viele Stellplätze vorhanden sind wie empfohlen, ist schwer zu rechtfertigen. Vor einem Baubeschluss sollten belastbare Untersuchungen mit Bohrkernen vorliegen und die günstigere Variante sowie die Aufgabe des Standorts ernsthaft verglichen werden.

00016-25: Freibad Hardenberg: Sanierungsentscheidung, hier: Vorlage der Machbarkeitsstudie, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 20. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Dortmund

  1. 14.10.2026Dortmund Drei Haltestellen: 633.000 Euro mehr 1.903.000 € Dortmund baut an der Stadtbahn U47 drei Haltestellen barrierefrei um, doch weil nur eine Firma bot, steigen die Kosten von 1,27 auf 1,9 Millionen Euro
  2. 08.10.2026Dortmund 50.000 Euro für einen Zaun, den man abbauen ließ 50.000 € In Dortmund-Wambel will der Stadtbezirk Brackel bis zu 50.000 Euro für einen Zaun zahlen, den er 2024 selbst entfernen ließ
  3. 07.10.2026DortmundAusgabe mit Nachfrage 6 Millionen Euro für private Wachleute 6 Mio. € Dortmund will von 2027 bis 2030 jährlich 1,5 Millionen Euro für Wachleute in der Innenstadt zahlen, fast 1,7-mal so viel wie fürs Nachtcafé

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz