Staatsbilanz

Stadt/Dortmund/Kostensteigerung

Rettungswache aus Containern für 1,69 Mio. Euro

In Dortmund kostet eine vorläufige Wache für Rettungswagen 1,69 Mio. Euro, beschlossen waren 300.000 Euro

Was ist passiert?

In der Dortmunder Gartenstadt hatte ein Gutachten zum Rettungsdienst eine Versorgungslücke festgestellt. Kurzfristig müsse dort mindestens ein zusätzlicher Rettungswagen stationiert werden. Weil eine dauerhafte Wache nicht schnell zu haben war, beschloss der Rat im Oktober 2022 eine Übergangslösung aus Containern. Im Dezember 2022 setzte die Stadt dafür einen Kostenrahmen von 300.000 Euro an.

Gebaut wird auf einem unbebauten Grundstück nahe der Freifläche „Kipsburg“: zwölf Raummodule mit Umkleide, Duschen, Aufenthaltsraum, Büro und vier Ruheräumen, dazu eine Leichtbauhalle für zwei Fahrzeuge. Die Bruttogrundfläche liegt bei gut 302 Quadratmetern. Schon die Kostenberechnung vom Mai 2025 nannte 932.599 Euro, gut das Dreifache des ersten Ansatzes. Fertig sein sollte alles im August 2025.

Dazu kam es nicht. Die Vergabe der Containeranlage begann erst im Dezember 2025, im Januar 2026 stoppte eine Haushaltssperre das Verfahren für 40 Tage, später verzögerten Kampfmittelverdacht und eine freizulegende Wasserleitung die Arbeiten. Bei der Submission am 30. April 2026 lag das günstigste Angebot bei 1.298.468,50 Euro. Das sind 652.673,60 Euro mehr als berechnet. Die kalkulierten Containerkosten lagen demnach bei rund 646.000 Euro (1.298.468,50 minus 652.673,60), das Angebot also beim Doppelten. Außerdem bemerkten die extern beauftragten Planer, dass in der Ausschreibung der technischen Gebäudeausrüstung ein Teil der Leistungen fehlte. Das kostet weitere 102.500 Euro.

Die Investition soll nun 1.687.772,60 Euro betragen, also 755.173,60 Euro mehr als beschlossen. Das sind rund 5.600 Euro je Quadratmeter Bruttogrundfläche (1.687.772,60 geteilt durch 302,23) für eine Anlage, die später zurückgebaut werden soll. Fertig wird sie voraussichtlich im November 2026, 15 Monate später als geplant. Die Stadt verweist auf den unmittelbaren Handlungsbedarf bei der Rettungsinfrastruktur und den Hilfsfristen. Das Geld ist bereits bereitgestellt, der Rat soll den Mehrbedarf am 12. November 2026 beschließen. Fördermittel gibt es nicht, weil die Maßnahme temporär ist. Abgeschrieben wird über 20 Jahre, die Abschreibung steigt von 51.872,45 auf 89.799,51 Euro im Jahr.

Kritik

Ein Provisorium, das erst mit 300.000 Euro, dann mit 932.599 Euro und nun mit 1,69 Mio. Euro angesetzt wird, lässt an der Kostenermittlung zweifeln. Dass in einer Ausschreibung Leistungen der Gebäudetechnik schlicht fehlen, darf bei einer so überschaubaren Containeranlage nicht passieren und gehört in die Verantwortung der beauftragten Planer. Die Stadt hätte vor dem Ratsbeschluss prüfen müssen, ob das Angebot am Markt überhaupt zur Kalkulation passt. Wer für den Übergang bis zur dauerhaften Wache schon mehr als das Fünffache des ersten Ansatzes ausgibt, sollte außerdem klären, ob die Übergangslösung noch in einem vernünftigen Verhältnis zur Dauerlösung steht.

02593-26: Rettungswache 21 - Errichtung einer Interimsrettungswache - hier: Anpassung der Investitionskosten, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 6. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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