Staatsbilanz

Stadt/Dortmund/Kostensteigerung

Schulumbau wird fast viermal so teuer

Dortmund will in Wickede eine alte Schule für Förderschüler umbauen, statt 630.559 Euro sollen es nun 2,42 Millionen Euro kosten

Was ist passiert?

Am Dollersweg im Dortmunder Stadtteil Wickede steht die ehemalige Hauptschule, 2004 saniert und laut Verwaltung in gutem baulichem Zustand. Hier soll zum Schuljahr 2026/27 ein Teilstandort der Max-Wittmann-Schule entstehen, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Der Rat hatte das im Oktober 2025 beschlossen. Ab 2028/29 soll daraus eine eigenständige Förderschule werden.

Für die Herrichtung des Gebäudes stand zunächst ein Kostenrahmen von 630.559 Euro im Raum. Nun liegt die Kostenberechnung vor, und sie nennt 2.416.780 Euro. Das ist das 3,8-Fache (2.416.780 : 630.559 ≈ 3,83). Der Rat soll das Budget deshalb um 1.786.221 Euro erhöhen. Mit der Preissteigerung lässt sich das kaum erklären: Die veranschlagten 5,7 Prozent machen auf den alten Betrag gerechnet gut 35.900 Euro aus.

Den Löwenanteil erklärt die Verwaltung damit, dass der Kostenrahmen schlicht Leistungen nicht oder nicht ausreichend enthielt. Malerarbeiten fehlten ganz. Die Sanitärbereiche mit neuen Pflegeräumen und Personal-WCs waren „nicht annähernd“ berücksichtigt. Hinzu kamen die Elektroinstallation, die als mängelbehaftet gilt, ein neues Datennetz und eine Rippendecke, die den Anschluss neuer Wände erschwert. Allein die Kosten für Bauwerk und Baukonstruktion stiegen von 207.066 auf 1.012.367 Euro. Dass ein Umbau für eine Schule mit Pflegebedarf Sanitär, Elektro und Decken berührt, überrascht allerdings nur im Nachhinein.

Bezahlt werden soll aus Mitteln, die für Startchancen-Schulen vorgesehen sind. Für 2026 sind das 1.874.801,18 Euro. Konkrete Maßnahmen seien dort noch nicht identifiziert, so die Vorlage. Fördermittel gibt es für das Vorhaben nicht. Dazu kommen ab 2027 jährlich 70.119,50 Euro an Folgekosten.

Sicher ist auch die neue Summe nicht. Die Kostensicherheit liegt bei plus/minus 20 Prozent, das sind rund 483.000 Euro (20 % von 2.416.780). Die Freianlagen sind noch gar nicht geplant. Die Nutzung ist zunächst auf sieben bis zehn Jahre angelegt. Selbst bei zehn Jahren kostet die Herrichtung rund 241.700 Euro je Nutzungsjahr.

Kritik

Ein Kostenrahmen, dem Sanitär, Elektro, Maler und Decken fehlen, taugt nicht als Grundlage für eine politische Entscheidung. Bei einem Umbau für Schüler mit besonderem Pflegebedarf waren diese Gewerke absehbar, und der Rat hätte von Anfang an eine belastbare Zahl bekommen müssen. Dass die Mehrkosten nun aus Geld für Startchancen-Schulen kommen sollen, zeigt, wie leicht sich Etats für andere Schulen als Reserve anzapfen lassen. Bevor weitere Posten wie die Freianlagen dazukommen, sollte die Verwaltung die Kosten vollständig und ehrlich beziffern.

00892-26: Mehrbedarf - Herrichtung HS Wickede als Interim Förderschule Geistige Entwicklung, Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 5. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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