Tierarztraum im Tierheim: 189.000 statt 80.000 Euro
Das Dortmunder Tierheim baut einen Raum für Tierärztinnen um, der 189.422 Euro statt geplanter 80.000 Euro kostet, weil Röntgen- und OP-Regeln zu spät bedacht wurden
Was ist passiert?
Das Tierschutzzentrum Dortmund gehört zu den Sport- und Freizeitbetrieben, einem Eigenbetrieb der Stadt. Dort sollen künftig eigene Tierärztinnen die Routineversorgung der Tiere übernehmen, statt jede Behandlung bei einer externen Praxis einzukaufen. Das soll die Versorgung verbessern und auf lange Sicht die Behandlungskosten senken. So lautet die Begründung der Verwaltung.
Im Dezember 2024 stellte die Stadt dafür 180.000 Euro bereit: 100.000 Euro für medizinische Geräte und 80.000 Euro für den Umbau eines Seminarraums zu Praxisräumen. Zwei Tierärztinnen arbeiten seit dem 1. Juni 2025 fest im Tierheim. Ihre Räume gibt es aber noch nicht.
Denn in der Planungsphase zeigte sich, dass der Umbau den Vorgaben für Operationsräume und einen Röntgenraum genügen muss. Nötig sind nun vier getrennte Arbeitsbereiche, spezielle Lüftungs- und Hygienetechnik, Bleiverkleidungen, besondere Türen und Kontrollsysteme. Allein der Röntgenraum soll im Plan nur 5,70 Quadratmeter groß sein. Die Verwaltung beantragt deshalb 189.422,77 Euro statt 80.000 Euro. Das sind 109.422,77 Euro oder rund 137 Prozent mehr (109.422,77 geteilt durch 80.000). Der Umbau allein kostet damit mehr als die ursprünglichen Mittel für Umbau und Geräte zusammen.
Die Mehrkosten sollen zunächst aus Mitteln vorfinanziert werden, die wegen Verschiebungen beim Projekt „Technikstation inkl. Kiosk Seebühne“ im Westfalenpark frei sind. 2027 soll der Investitionszuschuss der Stadt entsprechend steigen. Die Abschreibung beträgt rund 4.736 Euro im Jahr (189.422,77 Euro geteilt durch 40 Jahre Nutzungsdauer).
Die Tierärztinnen können ihre Arbeit derzeit nicht voll ausüben. Bis zur Fertigstellung kauft das Tierheim deshalb weiter Leistungen externer Praxen ein, was die Verwaltung selbst als erhebliche Mehrkosten bezeichnet. Wegen der Haushaltssperre begründet sie den Umbau als unaufschiebbar. Für Unvorhergesehenes sind zehn Prozent der Baukosten eingeplant, weitere Anpassungen erwartet sie nicht.
Kritik
Dass ein Operationsraum und ein Röntgenraum besondere bauliche Anforderungen erfüllen müssen, ist keine Überraschung, die erst in der Entwurfsplanung auftaucht. Vor dem Beschluss über 80.000 Euro hätte ein Fachplaner den Raumbedarf prüfen müssen. Außerdem wurden zwei Tierärztinnen eingestellt, bevor feststand, was ihre Praxis kostet und wann sie fertig ist. Nun laufen Personalkosten und externe Behandlungen parallel, der Umbau kostet mehr als das Doppelte, und der Spareffekt rückt in die Ferne.
00540-25: Beschluss zum Umbau eines Seminarraums zu medizinisch eingerichteten Praxisräumen im Tierschutzzentrum (TSZ), Ratsinformationssystem der Stadt Dortmund, 21. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.